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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Sonntag, 16.12.2006

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Aufnehmen und integrieren oder ausschließen und ausgrenzen ?

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 16.12.2006

Der Fall Nitzsche und wie die CDU damit umgeht ?
Demokratien sind schwerfällig, oft auch unproduktiv, da sie den hohen Anspruch haben, die Meinungsvielfalt und Bedürfnisse der gesamten Gesellschaft zu berücksichtigen. Nicht selten hat man den Eindruck, die ewige mühsame Suche nach Mehrheiten führt nur zu Entscheidungen, die keinem nützen und alles komplizieren. In Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Umbruchsituationen neigen deshalb immer wieder Menschen dazu, sich von der schwerfälligen Demokratie abzuwenden und ihre Hoffnungen auf radikale Ausrichtungen und wesentlich rücksichtslos-entscheidungsfähigere Diktaturen zu setzen. In ihren Ängsten und Sorgen verkennen sie, daß Diktaturen keine akzeptierbare Alternative sind, sondern daß diese Grundrechte aushebeln, Menschen ausgrenzen, tyrannisieren, verfolgen, bestrafen, vernichten, nur weil diese anders denken oder anders sind, daß sie nur durch den ausgeübten Zwang und die Herrschafft Einzelner in der Lage sind, diese Entscheidungen schneller und wirkungsvoller zu treffen und durchzusetzen.
Die großen Parteien bemühen sich seit Jahren ernsthaft darum, Menschen, die noch nicht vollständig von rechts- oder linksradikalem Gedankengut erfasst sind, zurück in demokratische politische Betätigung zu holen, und damit radikalen rechten oder linken Bestrebungen das Wasser abzugraben. Dies ist neben den - zugegebenermaßen leider oft noch nicht ausreichend abschreckenden - staatlichen Sanktionen einer der Gründe dafür, warum es in der Bundesrepublik keine Chance für radikale politische Gruppierungen gibt, den Staat zurück in die Zeit finsterer Diktaturen zu führen.
Während insbesondere die PDS und z.T. auch die SPD für die Integration von Mitmenschen mit linksradikalen Neigungen Schelte erfährt, trifft dies regelmäßig auch die CDU - und mittlerweile auch immer öfter die FDP - für solche, mit rechtsradikalen Neigungen zu. Doch gibt es hierfür eine Alternative? Ist die "erziehende" Wirkung einer Volkspartei nicht der richtige Weg?
Der Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche hat aber auch wieder einmal gezeigt, wie schwer eine Integration von Menschen mit Neigung zu radikalem Gedankengut in demokratische Parteien ist, wie aufmerksam und konsequent die Parteien beim Umgang und der Integration sein und wie klar sie Toleranzgrenzen ziehen müssen. 
Doch was ist die Alternative? Die Rattenfänger der Radikalen warten doch nur darauf, daß diese Menschen von den demokratischen Parteien politisch isoliert und ausgestossen werden, um sie mit offenen Armen zu empfangen.
In den Bemühungen um Integration von auch politisch
extrem Andersdenkenden zeigt sich einer der wichtigsten Gründe, warum es zu einer Demokratie keine wirkliche Alternative gibt. Selbst wenn ein Einzelner verbal radikal ausschert, die sogenannte "Masse" schwenkt nicht mit. In einer Diktatur wird sie dagegen einfach "mitgeschwenkt", ob sie das will oder nicht. Radikales Fehlverhalten führt in einer Demokratie zu Sanktionen, in einer Diktatur ist sie tagtägliche schmerzliche Normalität.
Die Äußerungen von Herrn Nitzsche sind nicht hinnehmbar. Der eingeforderte Rücktritt von seinen Führungspositionen ist deshalb nur folgerichtig. Die CDU hat Herrn Nitzsche klar gezeigt, daß in ihrer Partei kein Raum für radikale Theorien und Äußerungen ist. Gleichzeitig hat sie ihm die Hand gereicht und ihm vermittelt: Du wirst nicht ausgegrenzt, sondern gehörst noch immer zu einer Gemeinschaft, auch wenn diese andere Wertvorstellungen hat und von dir erwartet, diese zu achten und dich danach zu verhalten.
Wer außen vor ist, muß sich nicht mehr mit demokratischen Wertvorstellungen auseinandersetzen und ist damit noch aufnahmebereiter für radikale Theorien. Die formende positive Wirkung der Gemeinschaft wäre nicht mehr gegeben. Richtig ist also nicht das Ausgrenzen, sondern sich damit auseinanderzusetzen und diese Mitmenschen von der Falschheit ihrer Gedanken zu überzeugen! Und dies vielleicht noch mehr als bisher!
Hat die CDU im Fall von Herrn Nitzsche das Machbare getan? Mit einem Parteiausschluß von Herrn Nitzsche, wie von anderen Parteien gefordert, hätte man ihn aus einer Gemeinschaft ausgeschlossen und in einen leeren Raum zurückgelassen. Formal hätte die CDU damit durchaus punkten können, doch damit auch jede Einflußmöglichkeit auf ihn verloren. Das er sich nun selber mit seinem Austritt isoliert hat, ist daher wohl eher bedauerlich, weil er sich damit gegenüber den werteorientierten Argumenten der CDU vollends verschlossen hat. Es bleibt zu hoffen, daß Herr Nitzsche irgendwann seinen Irrweg erkennt.
Oder?


 Veröffentlicht am Sonntag, 16. Dezember 2008 in: | Chemnitz-Report!
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