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Montag, 17.03.2008  

Autor: Heinz Eggert

Gewissen und Macht

von Heinz Eggert | (c) h.e. | 16.03.2008

Was geht die hessische SPD der Schnee von gestern an?
Nach der Hessen Wahl  sprechen wir auf einmal nicht nur über Macht sondern auch über Gewissen. Ganz gleich, mit wem ich in dieser Woche sprach - es war das Thema.

Hoch emotional ! Da ist Frau Ypsilanti, die - fälschlicherweise - verkündet, sie habe den Auftrag zur Regierungs- bildung bekommen und müsse deshalb - gegen alle vorher gegebenen Versprechen - auf die Unterstützung der Linken zurückgreifen.

Politisch strategisch gedacht von 12 bis Mittag. 

Das hätte sie spätestens merken müssen, als ihre Parteifreundin Dagmar Metzger sich öffentlich und gut begründet weigerte, aus Gewissensgründen dieser politischen Strategie zu folgen. Eigentlich hätte Frau Y. ihrer Parteigenossin für ihre Offenheit danken müssen, weil sie der Gefahr „simonisiert“ zu werden, entgangen ist. Denn Heide Simonis bekam im März 2005 in ihrer Fraktion öffentlich von allen Zustimmung wurde aber in geheimer Abstimmung nicht von allen gewählt. Damit war sie politisch erledigt.

Aber statt Dank kam die Forderung an Frau M. ihr Mandat zurückzugeben.

Interessant und genauso falsch ist Frau Y. Begründung «Wer die Mehrheitsmeinung der Partei nicht mit vertreten kann, muss die Konsequenzen ziehen und sein Mandat zurückgeben“. Ein Blick in die Verfassung statt immer nur in den Karrierespiegel hätte hilfreich sein können. Dann hätte Frau Y. lesen können, dass Abgeordnete Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen. Das gilt auch für Hessen!

Nun weiß natürlich jeder, dass es ganz so in der Praxis aller Parteien auch nicht zugeht. Deshalb gibt es auch, die oft beschworene Partei- und Fraktionsdisziplin und den Fraktionszwang.

Manchmal zu Recht. Denn nicht jede politische Entscheidung ist auch eine Gewissensentscheidung. Sonst könnte politisch kaum noch etwas durchgesetzt werden. Wer allerdings zu oft gegen die Parteimeinung verstößt, muss damit rechnen, bei der nächsten Wahl nicht mehr aufgestellt zu werden. Das hat „Tradition“ bei allen Parteien. Alles hat eben seinen Preis!

Macht um jeden Preis? Glaubwürdigkeit ist auch ein hohes Gut. Deshalb kochen die Emotionen ja auch so hoch.

In der Weimarer Republik hatten die Kommunisten Blankovorlagen ihrer Abgeordneten für einen Verzicht auf ihr Mandat. Wollte einer nicht mit seiner Partei stimmen, konnte er schon in der Zeitung lesen, dass er selbst auf sein Mandat verzichtet hatte. Hier hätte Frau Y. aus der Geschichte der Linken lernen und siegen können. Zwar nur kurz, denn diese Praxis wurde schon damals für verfassungswidrig erklärt. Aber auf eine Blamage mehr oder weniger kommt es bei Frau Y. doch auch nicht mehr an.


Oder?

Heinz Eggert

Staatsminister a.D., MdL

Gastbeitrag - Abgedruckt in der Morgenpost vom 16.03.2008/hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors
Veröffentlicht am Montag, 17. März 2008 in: | Chemnitz-Report!
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