
"Verklärt und vergessen?" - neue
Sehnsucht nach der DDR
von
Heinz Eggert | (c) h.e. | 13.04.2008
Der Mensch hat die Fähigkeit, schlechte
Dinge zu vergessen und zu verdrängen, oder sich vor allem an
schöne Dinge selbst in schlechten Zeiten maßgeblicher zu
erinnern. Dies ist ein Boden, auf den die Saat der Verklärung der
DDR trifft. Doch wie war es wirklich?
Über
dieses Thema
habe ich mich am Montag im MDR mit Sara Wagenknecht gestritten.
Natürlich war die DDR keine Diktatur sondern voll sozialer
Wärme, meinte sie. Ich fragte nach: Was soll ein Staat, wie die
DDR, in der es keine Rede und Pressefreiheit, keine Reisefreiheit,
keine freien Wahlen, keine unabhängigen Gerichte gab, aber
dafür eine von der SED geführte Armee und Polizei, eine
totale Überwachung des Bürgers durch die Staatssicherheit
sonst gewesen sein - als eine Diktatur! Nach dieser Diskussion bekam
ich ungefähr 200 E-Mails, Briefe und Telefonanrufe. Hier ein paar
Ausschnitte:
„Das Wetter ist schön, die Sonne lacht, das hat die DKP
gemacht. Und wenn die Sonne nicht mehr scheint, dann war das wohl der
Klassenfeind.“
„Selbstverständlich gab es Widrigkeiten in der DDR, mit denen wir
leben mussten, aber es hat uns nicht geschadet. Die Mangelwirtschaft
hat uns zu bescheidenen Menschen erzogen."
„Im Gegensatz zu Frau Wagenknecht habe ich beide Diktaturen erlebt und
kann beiden Führungsschichten, Ideologien und Systemen nur das
Prädikat 'Menschenverachtend' nachsagen."
„Die DDR lebte nicht nur im Bonzendorf Wandlitz über ihre
Verhältnisse. Die subventionierten Mieten, Kinderkrippen,
Lebensmittel usw. waren der Sand, der den Menschen in die Augen
gestreut wurde, damit sie die Staatspleite nicht erkannten."
„Wie hat es eigentlich Angela Merkel gemacht? Studieren und den Doktor
machen? Auch ein Herr Diestel? Gibt es doch Wendehälse? Angie soll
ja aktiv bei der FDJ gewesen sein. Die kommen doch aus dem gleichen
Stall wie Gysi, Bisky u.a.“
„Wenn 72% der Befragten die DDR eher gut fanden und meinen: 'Der
Sozialismus ist nicht schlecht, er wurde nur falsch umgesetzt', so muss
das doch zum Nachdenken anregen."
„Ich bin Student (23). Als die Mauer fiel, war ich 4 Jahre alt - Danke,
dass Sie damals für mich mit auf die Straße gegangen sind!“
„Ich war Lehrer für das Fach Staatsbürgerkunde und
Schulparteisekretär; mein Bruder war Stasi – Offizier. Meine
Schwester musste 5 Jahre auf ihre Ausreise aus der DDR wartete. Es war
meine unterentwickelte Bereitschaft und Fähigkeit die
Realitäten zu akzeptieren, so dass ich in der Wendezeit Herrn
Eggert oder Herrn Eppelmann innerlich verflucht habe. Heute bin ich
immer noch kein CDU-Fan, aber an dem was Herr Eggert in der Sendung
gesagt hat ist alles richtig."
„Dieser Kapitalismus hat auf jeden Fall auch kein ewiges Leben und mit
Hetze gegen die DDR kommt man da auch nicht weiter. Die Kluft zwischen
Arm und Reich wird immer größer."
„Die TU Dresden hat 1989 eine Untersuchung über die
Bausubstanz in Dresden durchgeführt und veröffentlicht.
Daraus geht hervor, dass in Dresden der Sozialismus mehr Wohnungen und
Gebäude zerstört hat als die Bombardements am 13. Februar
1945.“
Diese Diskussion wird uns noch lange erhalten bleiben!
Oder?
Heinz Eggert
Staatsminister
a.D, MdL
(Gastbeitrag -
Abgedruckt
in
der Morgenpost vom 13.04.2008/hier
veröffentlicht am 14.04.2008 mit freundlicher
Genehmigung des Autors)