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Montag, 14.04.2008  

Autor: Heinz Eggert

"Verklärt und vergessen?" - neue Sehnsucht nach der DDR

von Heinz Eggert | (c) h.e. | 13.04.2008

Der Mensch hat die Fähigkeit, schlechte Dinge zu vergessen und zu verdrängen, oder sich vor allem an schöne Dinge selbst in schlechten Zeiten maßgeblicher zu erinnern. Dies ist ein Boden, auf den die Saat der Verklärung der DDR trifft. Doch wie war es wirklich?
Über dieses Thema habe ich mich am Montag im MDR mit Sara Wagenknecht gestritten. Natürlich war die DDR keine Diktatur sondern voll sozialer Wärme, meinte sie. Ich fragte nach: Was soll ein Staat, wie die DDR, in der es keine Rede und Pressefreiheit, keine Reisefreiheit, keine freien Wahlen, keine unabhängigen Gerichte gab, aber dafür eine von der SED geführte Armee und Polizei, eine totale Überwachung des Bürgers durch die Staatssicherheit sonst gewesen sein - als eine Diktatur! Nach dieser Diskussion bekam ich ungefähr 200 E-Mails, Briefe und Telefonanrufe. Hier ein paar Ausschnitte:
„Das Wetter ist  schön, die Sonne lacht, das hat die DKP gemacht. Und wenn die Sonne nicht mehr scheint, dann war das wohl der Klassenfeind.“
„Selbstverständlich gab es Widrigkeiten in der DDR, mit denen wir leben mussten, aber es hat uns nicht geschadet. Die Mangelwirtschaft hat uns zu bescheidenen Menschen erzogen."
„Im Gegensatz zu Frau Wagenknecht habe ich beide Diktaturen erlebt und kann beiden Führungsschichten, Ideologien und Systemen nur das Prädikat 'Menschenverachtend' nachsagen."
„Die DDR lebte nicht nur im Bonzendorf Wandlitz über ihre Verhältnisse. Die subventionierten Mieten, Kinderkrippen, Lebensmittel usw. waren der Sand, der den Menschen in die Augen gestreut wurde, damit sie die Staatspleite nicht erkannten."
„Wie hat es eigentlich Angela Merkel gemacht? Studieren und den Doktor machen? Auch ein Herr Diestel? Gibt es doch Wendehälse? Angie soll ja aktiv bei der FDJ gewesen sein. Die kommen doch aus dem gleichen Stall wie Gysi, Bisky u.a.“
„Wenn 72% der Befragten die DDR eher gut fanden und meinen: 'Der Sozialismus ist nicht schlecht, er wurde nur falsch umgesetzt', so muss das doch zum Nachdenken anregen."
„Ich bin Student (23). Als die Mauer fiel, war ich 4 Jahre alt - Danke, dass Sie damals für mich mit auf die Straße gegangen sind!“
„Ich war Lehrer für das Fach Staatsbürgerkunde und Schulparteisekretär; mein Bruder war Stasi – Offizier. Meine Schwester musste 5 Jahre auf ihre Ausreise aus der DDR wartete. Es war meine unterentwickelte Bereitschaft und Fähigkeit die Realitäten zu akzeptieren, so dass ich in der Wendezeit Herrn Eggert oder Herrn Eppelmann innerlich verflucht habe. Heute bin ich immer noch kein CDU-Fan, aber an dem was Herr Eggert in der Sendung gesagt hat ist alles richtig."
„Dieser Kapitalismus hat auf jeden Fall auch kein ewiges Leben und mit Hetze gegen die DDR kommt man da auch nicht weiter. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer."
„Die TU Dresden hat 1989  eine Untersuchung über die Bausubstanz in Dresden durchgeführt und veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in Dresden der Sozialismus mehr Wohnungen und Gebäude zerstört hat als die Bombardements am 13. Februar 1945.“
Diese Diskussion wird uns noch lange erhalten bleiben!
Oder?

Heinz Eggert

Staatsminister a.D, MdL


(Gastbeitrag - Abgedruckt in der Morgenpost vom 13.04.2008/hier veröffentlicht am 14.04.2008 mit freundlicher Genehmigung des Autors)


Veröffentlicht am Montag, den 14.April 2008 in: | Chemnitz-Report!
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