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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Freitag, 13.06.2008  

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Deal or No Deal - oder - Wem nützt es ?

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 13.06.2008


Im Stadtrat von Chemnitz kam es bei den Bürgermeisterwahlen zum Eklat. Gab es einen Deal oder nicht, wenn ja welchen und von wem? CDU mit Die Linken? Seitdem gibt es wilde Spekulationen, Vorwürfe ...
Es war wieder einmal soweit ... drei Bürgermeister sollten gewählt werden, welche zukünftig Dezernate in Chemnitz führen sollen. Die Zahl der Bewerber war größer noch, als die Anzahl der Mythen, welche im Vorfeld entstanden und Verbreitung fanden.

So erfuhren die Leser der wichtigsten Chemnitzer Tageszeitungen in den freitäglichen Meldungen,  die CDU-Fraktion habe möglicherweise mit der Fraktion "Die Linken" einen Deal, um ihre Bürgermeisterkandidaten durchzubringen und die Kandidaten der SPD auszubooten.
Am Wochenende gab es dann naturgemäß angesichts eines so "unglaublichen Verdachtes" angeregte Diskussionen und Spekulationen, zumeist hinter vorgehaltener Hand, mitunter sogar auch mit offenen Briefen.
Die einen vermuteten hinter diesen Meldungen "nur eine taktische Finte der SPD", vermutlich um die Stadträte beider Fraktionen über den Druck der Mitglieder ihrer Parteien dazu zu bringen, auf keinen Fall für den Kandidaten der jeweils anderen Partei zu stimmen und somit günstigere Chancen für den eigenen Kandidaten zu haben.
Andere vermuteten, der in der Öffentlichkeit nicht unerheblich unter Druck stehende CDU-Kandidat Berthold Brehm habe möglicherweise u.a. mangels ausreichendem Rückhalt aus der CDU-Fraktion Deals mit
einzelnen Stadträten der Fraktion "Die Linken" und CDU sowie anderen Fraktionen eingefädelt, um sein berufliches Überleben zu sichern. Mögliche Anzeichen glaubten sie hierbei u.a. darin sehen zu dürfen, dass Herr Brehm der größte Nutznießer mit den besten Möglichkeiten zum und einer gewissen Übung im Schließen von Deals sei.
Es gab auch eine Gruppe, welche sich z.T. recht lautstark zu Wort meldete. Sie deuteten die Meldungen so, dass der ebenfalls zur Wahl stehenden Bürgermeister Detlef Nonnen damit möglicherweise über den Fraktionsvorstand seinen - allgemein als sicher eingestuften - Posten sichern wolle.
Unter den Parteifreunden der CDU wurde aber ebenso auch spekuliert, ob nicht jener Landtagsabgeordnete, welcher bereits schon einmal versehentlich "Kreisvorsitzender" unter seine Briefbögen gesetzt hatte, möglicherweise die ganze Sache inszeniert haben könnte, um dann wegen des "unglaublichen Vorganges" Neuwahlen innerhalb des Kreisverbandes zu erwirken. Hintergrund wäre, über die sich hierdurch bietende Möglichkeit  u.a. die "Machtfrage" in einer anderen Richtung neu zu lösen und hierdurch entsprechend günstigere Chancen bei der Kandidatenaufstellung der Wahlen im nächsten Jahr für sich und seine "Anhänger" zu erreichen. Selbst eine Verknüpfung seiner Interessen mit denen von Herrn Brehm und entsprechendes gemeinsames Handeln wurde hierbei von einigen auch nicht ausgeschlossen.
Natürlich waren
dies wohl alles nur wilde Spekulationen, Vermutungen, deren Zutreffen keiner beweisen konnte und die man schnell wieder vergessen hätte, wäre die Wahl ohne Eklat verlaufen. Der Klärung der Sache dienten sie wahrscheinlich sowieso nicht. Oder?

Der Tag der Wahl rückte heran. Die Besucherloge war voll. Voll auch von Leuten, die bei Sachentscheidungen nicht so oft den Weg dorthin finden.
Zunächst erlebten die Gäste ein Wortgefecht, ob es notwendig und sinnvoll wäre, alle Bürgermeisterkandidaten einem Vorstellungsprozedere zu unterwerfen und wer für dessen Nichtdurchführung verantwortlich zu machen sei.
Unklar musste wohl bei einigen Gästen auf der Tribüne bleiben, warum sowohl die öffentliche Vorstellung von Bewerbern, die sieben Jahre die Stadtpolitik und Stadtentwicklung zumindest indirekt mitbestimmen wollen, wie auch die ebenso öffentliche Befragung der Bürgermeisterkandidaten über ihre beabsichtigten Pläne, Ziele, Mittel und Methoden nicht erforderlich sei. Bei manchem Beratenden Bürger wurde dem in der Vergangenheit sehr viel mehr Bedeutung zugemessen.

Dann kam die Wahl.
Zuerst die Wahl für das Dezernat 1 mit dem in den Medien als sogenannter "Wackelkandidat" bezeichneten Amtsinhaber Berthold Brehm. Die Wahl war ein Durchlauf. 33 von 52 Stimmen.
Statt einem Protest, dass dieses Wahlergebnis möglicherweise dem in den Zeitungen aufgeführten "Deal" geschuldet sei, war eher ein erleichtertes Aufraunen aus dem Ratsaal bis hoch zur Besuchertribüne zu hören.
Der Protest kam erst, als der Kandidat der Linken gewählt wurde, dafür dann umso spektakulärer. Warum erst so spät und nicht schon bei der ersten Entscheidung, werden sich heute wohl viele fragen.
Wieso war für den Stadtrat Christoph Paus  - obwohl niemand mit ihm geredet habe - in seiner Überraschung sofort so klar, dass dieser "Deal" nur vom Vorstand der Fraktion eingeleitet worden sein kann?
Politiker und Wahlbeamte in unserer Stadt, die an einem derartigen "Deal" - oder womöglich sogar nur an einem derartigen Gerücht - ein weit größeres Interesse und auch die Möglichkeiten zum Einfädeln des Deals gehabt haben könnten, dürfte es ja -sofern man den Spekulationen in unserer Stadt im Vorfeld der Wahl folgen möchte - genug geben.

Seitdem folgt eine Wortmeldung "berufener Kenner" der Szene nach der anderen.
Während in der großen Politik sich SPD und CDU einen Schlagabtausch darüber liefern, ob Die Linken und die CDU zusammen "ins Bett gehuscht" seien und die SPD "das Bett bereitet" habe, brodelt es derweil
in der Chemnitzer CDU wie in einer Hexenküche.
Vermutungen und Unterstellungen scheinen kaum mehr unterscheidbar. Tatsachen werden kaum benannt. Dafür wird trotz geheimer Wahl der Deal allgemein als existent gesetzt. Forderungen nach Parteiausschluss und Sonderparteitag werden laut. Der Vorsitzende des Kreisverbandes müsse genauso wie der Fraktionsvorstand involviert gewesen sein.
Gerüchte, Vermutungen, Tatsachen? Wer vermag das jetzt noch unterscheiden und wer will das überhaupt noch?
Dabei können die neun der CDU zugeordneten Stimmen - zumindest rein rechnerisch - auch ganz anders zusammengesetzt sein. Geheime Individuallabsprachen sind - zumindest theoretisch, mit jedem Stadtrat möglich.
Oder?

Es bleibt zu hoffen, dass sich nicht am Ende herausstellt, dass diejenigen in ihrer Spekulation Recht behalten könnten, welche bei den Vorgängen zur Bürgermeisterwahl von einer Interessenverknüpfung auf Erhalt eines unsicheren Bürgermeisterpostens mit der Aufwerfung der Machtfrage philosophierten.
Im Interesse einer sachlichen Klärung wäre es vielleicht besser, die Emotionen etwas zurück zu nehmen und sich auf belegbare Tatsachen zu konzentrieren. Andernfalls würde man wohl den wahrscheinlich bisher schon entstandenen politischen und moralischen Schaden noch potenzieren.

Die Bürger müssen in wenigen Monaten zur Wahl. Der Mensch vergisst zwar zum Glück vieles, aber manches vielleicht nicht so schnell.

Oder?


 Veröffentlicht am Freitag, 13. Juni 2008 in: | Chemnitz-Report!
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