
In der DDR war es
eigentlich ganz nett !?
von
Heinz Eggert | (c) h.e. | 12.09.2008
Was ist schief gelaufen bei der Aufarbeitung
der DDR-Geschichte?
Das Wissen vieler Jugendlicher über
die DDR ist erschreckend schlecht. Eltern und Lehrer verklären die
Diktatur. Das war das Ergebnis einer Studie der FU Berlin. Die Forscher
bekommen jetzt erboste Briefe und begreifen die Welt nicht mehr, wenn
Stasi, die Mauer und ein ausgewiesenes Unterdrückungssystem
verteidigt werden und sie als gottverdammte arrogante
Besserwisser-Wessis beschimpft werden.
Was läuft hier falsch? Das war eine Debatte diese
Woche im Landtag, die viel sachlicher verlief, als man sonst vermuten
konnte.
Es ging um Ostalgie Shows und Stasi-Veteranentreffen, um das Versagen
von Eltern und Lehrer in der Vermittlung von Geschichte, um Geschichte
als Pflichtfach und um mehr Geld für die Gedenkstätten. In
einem waren sich alle einig- Das DDR Wissen der Schüler muss sich
verbessern.
Nur das beendet die Diskussion nicht. Denn es geht nicht nur um
Wissensvermittlung, es geht auch nicht nur um die geschichtliche
Deutungshoheit der alten DDR Garde, die ihren eigenen Machtverlust bis
heute nicht überwinden kann.
Es geht vor allem um die Rechtfertigung und Würdigung von
Millionen Lebensläufen, deren Leben in einer Diktatur verlaufen
musste, ohne dass sie es sich selber ausgesucht hatten.
Seit 1989 gab es darüber keine faire Diskussion, denn die West und
die Ostdeutschen wussten viel zu wenig von einander. Die
Überheblichkeit des Westens und die Unsicherheit des Ostens
überlagerten vieles. Dazu kam Ignoranz und Arroganz vieler
Verantwortlicher in Politik und Medien, die die Wirklichkeit der DDR
nur durch die Brillen ihrer eigenen Vorurteilskraft wahrnahmen. Von
rosarot bis tiefschwarz.
Bei allen notwendigen Diskussion über Staatssicherheit, Mauerbau
und kommunistischer Diktatur wurde übersehen, dass es auch in der
DDR viel ehrliches Bemühen und einen großen Aufbau und
Gestaltungswillen gab. Es sind in der DDR ungeheure Lebensleistungen
unter Bedingungen erbracht worden, die zu dieser Zeit im Westen schon
gar nicht mehr vorstellbar waren. Mit einem gewaltigen
Unterschied: Sie zahlten sich materiell für den DDR-Bürger
nicht auf seinem Konto aus. Was zu der Kurzschlusslogik führte:
dass sich die Lebensleistungen der Bürger entwerten würden,
wenn ein Staat bankrott geht.
Das ist zwar nicht so, aber genau dieses Gefühl haben sie. Sie
glauben trotzig diesen Staat verteidigen zu müssen, damit
ihre Lebensleistungen erhalten bleiben.
Das steckt jetzt seit 20 Jahren bei ihnen unveränderbar in den
Köpfen. Das kann man verstehen, darf es aber nicht hinnehmen. Die
Jugend muss schon verantwortlich aufgeklärt werden, damit sie
nicht sehenden Auges in die nächste Diktatur läuft.
Oder?
Heinz Eggert
Staatsminister
a.D., MdL