
Ohne Risiko ?
von Andreas Peter Müller | (c)
Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 03.10.2008
Manager und Unternehmer - 2
Welten? Verhilft der Staat Managern zu günstig versteuerten,
unanständig hohen Einkommen bei scheinbar weitgehend
vollständiger persönlicher Risikofreistellung und staatlichem
Einspringen auf Kosten des Steuerzahlers bei Versagen ?
Es war im Herbst 2002. Meine
Gattin und ich folgten einer Einladung des Johann-Amos-Comenius-Clubs
zu einer Veranstaltung, in welcher darüber diskutiert wurde, ob
die 10 Gebote und christliche Werte in der heutigen Wirtschaft
anwendbar seien und ihre Beachtung das erfolgreiche Führen von
Unternehmen
ermöglichen würden.
Kritisch wurde sich hierbei u.a. mit der Wirtschaft in den USA
auseinander gesesetzt. So erfuhr man von massiven
Bilanzfälschungen bei renomierten US-Firmen und von der "Gefahr
einer Blase, die in überschaubarer Zeit platzen müsse". Das
waren ungewohnte Töne.
Am interessantesten fand ich die die Frage des Risikos im Zusammenhang
mit den "Gehältern" der Unternehmenführungen. Diese
Problematik beschäftige in den nächsten Jahren auch zunehmend
unsere Gesellschaft. Wie die öffentliche Diskussion hierzu geführt wurde,
fand ich jedoch eher erschreckend.
Neiddebatten,
Steuervergünstigungen für "Besserverdienende" und
Glorifizierung der Freien Märkte in den USA gingen einher mit
einem zunehmenden Neoliberalismus.
Kaum jemand schien die wirklich kritischen Punkte dieser Entwicklung
ansprechen zu wollen. Statt dessen lieber Pauschaldiskussionen und
Lagerkämpfe.
Geht es denn bei der Senkung des Spitzensteuersatzes tatsächlich
um Wirtschaftsförderung? An die Unternehmen gebundene
Steuervergünstigungen zur Unterstützung von
Vermögensbildung im Unternehmen und zu dessen Reproduktion sind
sicher förderlich. Was aber hat die geringere Versteuerung hoher
Managergehälter, die nicht im Unternehmen verbleiben bzw. an
dieses gebunden sind, mit Entlastung der Unternehmen von Abgaben zu tun? Hohe Spitzensteuersätze
verbunden mit entsprechenden Freibeträgen bei Investition in das
Unternehmen oder in das Bildungssystem - ist das nicht wirtschaftlich
sinnvoller und sozial gerechter?
Ein Unternehmer im Mittelstand bürgt in der Regel mit seiner
gesamten Existenz. Geht das Unternehmen "den Bach 'runter", verliert er
nicht selten alles. Neben dem gesellschaftlichen Absturz ist dann oft
ein wirtschaftlicher "Totalgau" kaum vermeidbar. Die hier erzielten
Unternehmereinkommen sind weit entfernt von den schwindelnden
Höhen vieler Manager in Konzernen und Banken.
Die
Forderungen nach
Haftbarmachung der Manager werden in der Bevölkerung immer lauter.
Ebenso mehren sich die Äußerungen, dass es sich um ein
klassisches
Angestelltenverhältnis handle und deswegen nur sehr begrenzt eine
Haftung übertragen werden könnte. Im rein formal-rechtlichen
Sinne mag
dies zutreffen. Funktionell und finanziell aber wirken sie zunehmend
wie eine "Clubmitgliedchaft" in einem Selbstbedienungsladen ohne Kasse".
Doch
nicht nur die Einkommen der Unternehmer sind i.d.R. viel geringer
als die
vieler Manager. Auch bei dem Risiko scheint es sich analog ... oder
besser umgekehrt ... zu verhalten! Welches Risiko tragen die Manager,
wenn
sie ein Unternehmen in Schieflage bringen? Worin begründet sich der Anspruch auf
gigantische Abfindungen bei Kündigung wegen Versagen? Tragische
Beispiele für verarmte Unternehmer nach Firmen- und
Privatinsolvenz findet man leider in Deutschland genug. Nach Managern
mit ähnlichen Schicksalen dürfte man wohl in Deutschland
weitgehend erfolglos suchen. Ausnahmen bestätigen hier
natürlich die Regel, sofern nicht zu dem "Versagen" noch eine
entsprechende kriminelle Energie hinzu kam.
Ist das
Verhältnis von persönlichem Risiko und Höhe der
Gehälter bei den Konzern- und Bankmanagern deshalb
tatsächlich noch gerechtfertigt und moralisch vertretbar?
Gegen höhere Einkommen ist prinzipiell nichts zu sagen, wenn sie
das Unternehmen erwirtschaftet
und
die Arbeitnehmr angemessen entlohnt wurden. Diskussionen über
Gehaltsobergrenzen dürften m.E. auch nicht wirklich Sinn machen,
nicht zuletzt, weil sie rechtlich kaum durchsetzbar sein dürften.
Warum aber so hohe Gehälter gerade bei denjenigen, die scheinbar
kein oder nur geringes persönliches Risiko tragen, nicht drastisch
besteuern? Warum keine Mechanismen und Gesetze schaffen, die Manager
auch mit ihrem vollen privaten Vermögen haften lassen, wenn sie
ein Unternehmen in Schieflage gebracht haben? Bei den
volkswirtschaftlichen Auswirkungen - wie Massenentlassungen und
staatlichen "Auffangfinanzierungen" scheint dies doch geradezu geboten.
"Inhalt und Ziel (einer)
sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann
nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur
das Wohlergehen unseres Volkes sein. Durch eine gemeinschaftliche
Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung
erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem
geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren
und äußeren Frieden sichert.“ (CDU: Ahlener
Programm 1947)
Manchmal sollte man sich an seine Wurzeln erinnern.
Wirtschaftsförderung ist gut und sinnvoll, wenn sie allen dient.
Die derzeitige Bankenkrise könnte deshalb als Chance der
Rückbesinnung und Abkehr vom Kurs des Neoliberalismus angesehen
werden. Für Deutschland wäre es wünschenswert.
Oder?