Ihr
Kinderlein kommet
von
Heinz Eggert | (c) h.e. | 11.12.2008
Eine Weihnachtsgeschichte und die Frage: Wir
sind doch nicht blöder als der Esel, oder?
Viele
Vorbereitungen gilt es zu treffen, wenn ein Kind geboren wird.
Eigentlich im Umfang über Jahrzehnte unverändert. Dachte ich,
selbst Vater von vier Kindern, noch bis vor kurzem.
Aber dann erzählte mir eine junge Mutter, dass sie einige Tage
nach der Geburt, bei allen sieben Mietparteien im Haus geklingelt habe
um um Verständnis zu werben. Also nicht, um die Freude über
das neugeborene Kind weiter zu tragen, sondern um sich im Vorfeld
dafür zu entschuldigen, dass das Baby ja auch schreien könnte
und den Lärmpegel im Haus verstärkt.
Ich schaute ziemlich verständnislos drein und fragte mit welchen
Typen sie im Hause denn so zusammenlebe. Völlig normale, sagte
sie, aber eine Freundin habe es halt erlebt, dass sie mehrmals im Haus
angepöbelt wurde, weil ihr krankes Kind nachts durchdringend
schrie. Schließlich gebe es auch ein Recht auf Ruhe im Haus, war
das Argument.
Deshalb wolle sie nur vorbeugen!
Verkehrte Welt!
Während in der großen Politik immer wieder überlegt
wird, wie Kindern und kinderreichen Familien geholfen werden kann,
werden Kinder beim Spielen auf der Straße beschimpft,
Rasenflächen gesperrt- natürlich für die Kinder und
nicht für die Hunde- stört der Lärm der Kinder beim
Ballspielen mehr, als der Verkehrslärm.
Vielleicht liegt es auch daran, dass jeder ein Auto, aber nicht jeder
ein Kind hat.
Als Freunde mit ihren fünf Kindern eine Ferienwohnung buchen
wollten, war die erste Frage, ob sie gegen eventuelle Schäden
versichert seien.
Natürlich nerven auch Kinder, besonders wenn sie müde,
trotzig, gelangweilt oder zu quirlig sind. Aber was, außer ihrem
Alter unterscheidet sie von uns Erwachsenen?
Erwachsene sind Persönlichkeiten mit Würde und Rechten.
Kinder nur Störfaktoren??
Als ein Nachbar sich mehrere Male über ihren dreijährigen
Sohn beschwert hatte, war die Antwort der Mutter: Seien Sie mal nett zu
meinem Sohn, vielleicht wechselt er später in
einem Pflegeheim mal ihre Windeln!
Vor kurzem las ich in eine Weihnachtsgeschichte, in der
sich die Tiere über Weihnachten unterhielten.
Die Hauptsache an Weihnachten sei der Gänsebraten, meinte der
Fuchs. Ein neues Kleid, meinte der Pfau. Viel Schmuck, meinte die
Elster.
Pennen und mal richtig ausschlafen, meinte der Dachs. Und saufen
gehört dazu, ergänzte ihn der Ochse. Richtig einen saufen und
dann pennen.
Ausgerechnet der Esel fragte den Ochsen: Denkst Du denn überhaupt
nicht an das Kind! Das Kind ist die Hauptsache an Weihnachten! Und
weiter fragte der Esel; Hoffentlich wissen das auch die Menschen?
Natürlich wissen wir das. Wir sind doch nicht blöder als der
Esel.
Oder?
Heinz Eggert
Staatsminister
a.D, MdL