Wir kriegen die
Krise
von
Heinz Eggert | (c) h.e. | 27.12.2008
Die weltweite Wirtschaftskrise zeigt uns die
Grenzen und Schwächen eines Systems auf, das weitgehend Wachstum
und Profitstreben in den Vordergrund gestellt hat.
Weihnachten
ist vorbei. Außer der Weihnachtsgeschichte war die meist zitierte
Freudenbotschaft: Der deutsche Einzelhandel ist erfreut! Auch gut!
Die vielen sich vor dem Fest in den Konsumtempel Drängenden und
die Beschenkten sind hoffentlich auch erfreut. Dazu ist Weihnachten ja
auch da. Es sind zwar keine notwendigen Geschenke - da ja keine Not zu
wenden ist - aber wir leben ja auch alle von dem, was das Leben
darüber hinaus - unverdientermaßen - für uns bereit
hält. Eben als Geschenk! Ganz im Gegensatz zu Milliarden
Menschen auf dieser Welt.
Aber die waren zwischen den vielen süßlichen, weihnachtlich-
verkitschten, mit Kunstschnee bestreuten Volksmusiksendungen kaum im
Fernsehen zu sehen. Dafür hieß das meist verwendete Wort in
den Nachrichten „Krise“.
Ein Wort, das offensichtlich niemanden erschreckt, es sei denn, er ist
jetzt schon von den Auswirkungen betroffen. Sowie die Leiharbeiter der
Chipfabrik Qimonda, die mit Duldung der Gewerkschaften, jahrelang
unterbezahlt , jetzt als Erste gehen durften.
Im neuen Jahr, werden dann fast alle von den Auswirkungen betroffen
sein, denn niemand kann sich dieser gewaltigen Wirtschaftskrise
entziehen. Darüber sind sich weltweit auch momentan alle
einig. Meinungsdifferenzen gibt es über ihr Ausmaß, ihre
Ausrichtung und vor allem über zukunftsweisende
Lösungen. So manches schnell dahin gesprochene Politikerwort
und so mancher schnell dahin geschriebener journalistischer
Kommentar hatten einen Gültigkeitswert von 12 Uhr bis
mittags. Ruhige die Situation analysierende
Nachdenklichkeit ist eben angebrachter als aufgeregte
Scheindebatten. Alte Rezepte passen zwar in die Weihnachtsküche
aber nicht auf neue gesellschaftlich-wirtschaftliche-moralische
Herausforderungen.
Die weltweite Wirtschaftskrise zeigt uns die Grenzen und Schwächen
eines Systems auf, das weitgehend Wachstum und Profitstreben in den
Vordergrund gestellt hat. Das zu ändern ist schwierig, wird aber
notwendig sein.
Deshalb können die Lösungsansätze zur Bewältigung
dieser Krise auch gar nicht schnell genug erarbeitet und
kontrovers diskutiert werden. Aber die kontroversen Diskussionen
dürfen das notwendige Handeln nicht verzögern. Schon aus der
Bibel können wir lernen, das Noah, die lebensrettende Arche vor
und nicht während der Sintflut gebaut hat. Er hat sie
übrigens auch nicht auf Kosten nachfolgenden Generationen
gebaut, sondern ihnen erst damit die Zukunft ermöglicht.
Wenn wir jetzt zusätzliche Schulden machen, dann müssen wir
und kommende Generationen auch davon leben können, in dem die
Maßnahmen möglichst kurzfristig greifen und
langfristig für alle ein Gewinn sind.
Oder?
Heinz Eggert
Staatsminister
a.D, MdL