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Montag, 12.01.2009  

Autor: Heinz EggertWidersprüche und Ungereimtheiten

von Heinz Eggert | (c) h.e. | 10.01.2009

Der Fall Mannichl - Ein Mordanschlag von Rechtsradikalen? Mit unbewiesenen und möglicherweise falschen Anschuldigungen und darauf folgenden Aktionismus stärkt man eher die NPD.
Am Anfang war ich entsetzt, dann wurde ich nachdenklich und zum Schluss misstrauisch. Dabei schien nach der Presselage am 13.12.2008 alles klar. Der Passauer Polizeichef war offensichtlich von einem Neonazi niedergestochen worden.
Wenn dann ein versierter Polizeibeamter, wie er, sich wortgenau an die Drohung des Täters erinnert und eine Personenbeschreibung gibt, kann man davon ausgehen, dass der Täter innerhalb kürzester Zeit ermittelt ist. Die auffälligen Tätowierungen des Täters schienen wie sein selbst ausgelegter Steckbrief.

Während  also eine  Sonderkommission ausschließlich nur in diese Richtung ermittelte, setzte sich zeitgleich die politische Kommentierungskarawane in Bewegung. In den Medien und den politischen Aussagen wurde - obwohl nichts klar war - das „mutmaßlich „vor dem Neonazi schon gestrichen.
Auf dem Hintergrund dieses Ereignisses forderte Innenminister Hermann erneut, über ein Verbot der NPD nachzudenken. Claudia Roth wollte ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das dem Rechtsextremismus den Kampf ansagt. Monika Lazar (Grüne), die vor kurzem noch ein Mädchen in Mittweida, die sich  selbst ein Hakenkreuz in den Körper gebrannt hatte, mit dem Preis für Zivilcourage auszeichnete, forderte eine dauerhafte finanzielle Unterstützung von Initiativen gegen rechts .
Flankiert und ergänzt wurden diese Aussagen von Seehofer über Thierse  und Wowereit bis zur Kanzlerin.  Keiner, der sich dazu nicht äußern wollte.

Keine Frage - das politisch ausdiskutiert werden muss, wie man mit der NPD und anderen rechten Bewegungen umgeht die unser demokratisches System nicht reformieren sondern abschaffen wollen. Aber doch bitte nicht auf dem Hintergrund eines nicht geklärten Verbrechens.
Mit falschen Anschuldigungen motivieren wir nicht die demokratische Öffentlichkeit sondern dezimieren nur ihr Hörvermögen. Während die rechte Szene biedermännisch  dazu  jubelt, als sei sie rein gewaschen worden  und könne sich die Märtyrerplakette selbst umhängen.

Momentan zerlegt  sich mit ihren eigenen Parteiquerelen und kriminellen Finanzgebaren selbst.  Ausgerechnet Demokraten liefern ihnen jetzt eine Steilvorlage.
Die Erfolglosigkeit der  einseitigen polizeilichen Ermittlungen und die voreiligen politischen Statements stabilisieren nicht die Demokratie sondern beschädigen unser System.
Weil ein zwingender rechtsstaatlicher Grundsatz, dass nicht verurteilt werden darf bevor aufgeklärt worden ist, nicht beachtet wurde. Die Ereignisse um die Düsseldorfer Synagoge, Mittweida, Sebnitz und jetzt Passau sollten uns sehr nachdenklich machen.

Oder?

Heinz Eggert

Staatsminister a.D, MdL

Gastbeitrag - Veröffentlicht in der Morgenpost vom 11.01.2009/hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors
Veröffentlicht am Montag, 12. Januar 2009 in: | Chemnitz-Report!
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