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Montag, 26.01.2009  

Autor: Heinz EggertWissen und Handeln

von Heinz Eggert | (c) h.e. | 22.01.2009

Sachsen und der demographische Wandel - die Entwicklung wird in Sachsen regional sehr unterschiedlich sein. Während in einigen Regionen die Abwanderung und die Alterung weiter ein Problem sein werden, werden sich die drei Großstädte fast nur auf die Alterung der Bevölkerung einstellen müssen.
Die Fakten sind bekannt. Von derzeit 4,3 Millionen werden wir in 20 Jahren in Sachsen noch 3,7 Millionen Einwohner haben. Gleichzeitig altert die Bevölkerung. Die Gründe dafür sind ganz einfach - niedrige Geburtenraten, höhere Lebenserwartung und Abwanderung.
Seit 1990  haben wir über 250.000 Einwohner verloren. Auch junge Frauen, die seit 1991 über 43.000 Kinder eben nicht in Sachsen geboren haben. Das alles hat natürlich Auswirkungen für Familie und Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeit, Wissenschaft und Forschung, Infrastruktur und Verkehr, Gesundheit und soziale Sicherungssysteme, öffentliche Finanzen und Verwaltung en.
Nur welche? Und wie kann man rechtzeitig  gegensteuern?
Deshalb haben drei Jahre lang 30 Politiker und Wissenschaftler über die demographische Entwicklung und ihrer Auswirkungen in Sachsen nachgedacht, diskutiert und Strategien und Empfehlungen  entworfen. Sie sind durch Sachsen gefahren, um sich vor Ort  selber ein Bild machen zu können und Gespräche zu führen. Denn die Entwicklung wird in Sachsen regional sehr unterschiedlich sein. Während in einigen Regionen die Abwanderung   und die Alterung weiter ein Problem sein werden, werden sich die drei Großstädte fast nur auf die Alterung der Bevölkerung einstellen müssen.
Wer kennt  von uns nicht Menschen aus seinem persönlichen Umfeld, die fortgezogen sind, die aber gerne zurückkommen würden, wenn die Bedingungen stimmten.
Wir geben Millionen für eine gute Ausbildung unserer Hochschulabsolventen aus. Wenn diese in ein anderes Bundesland gehen, das nicht die Kosten der Wissensvermittlung getragen hat, tragen sie alleine durch ihre Einkommensteuer zum Reichtum dieses und zur Armut unseres Landes bei. Alleine für 2002 bezifferte sich Verlust in Sachsen auf 522 Millionen €. Unfreiwillige Entwicklungshilfe des Ostens für den Westen.
Aber noch etwas kommt dazu- die finanziellen Mittel, über die Sachsen verfügt, werden knapper.  Deswegen müssen jetzt schon alle momentanen Haushaltsentscheidungen dem demografischen Faktor angepasst werden. Wir müssen jetzt, wo noch Geld vorhanden ist, diese Mittel nutzen, um uns auf den Wandel einzustellen und unseren Enkeln nicht finanziell die Lebensgrundlagen zu entziehen
Jetzt wurde der 400 Seiten lange Bericht im Landtag diskutiert. Das Interesse hielt sich in Grenzen.
Auch bei den Medien. Ok!  
Dann muss jetzt jeder Bürger selbst schnellstens begreifen, dass von den notwendigen Veränderungen die eigene Zukunft und die Zukunft seiner Kinder und Enkelkinder abhängt.
Dazu brauchen wir ein Umdenken in der Gesellschaft. Die ältere Generation muss sich länger aktiv einbringen können. Der momentan grassierende Jugendwahn wird sich als das erweisen was er ist und immer war: ein unmenschlicher und Ressourcen verschlingender Wahn.
Allerdings werden wir es ohne eine neue Kultur des Miteinanders nicht schaffen. Der Staat kann nicht alles richten.

Oder?

Heinz Eggert

Staatsminister a.D, MdL




Anlage:

Demografischer Wandel kann nur gemeinsam von allen Sachsen bewältigt werden

Presseerklärung von Heinz Eggert
Der ehemalige Innenminister und Vorsitzender der Enquete-Kommission zur demografischen Entwicklung in Sachsen, Heinz Eggert, fordert ein konzertiertes Handeln, um den Bevölkerungsrückgang im Freistaat bewältigen zu können. „Der demografische Wandel ist kein Phänomen, welches allein mit technischen Lösungen zu bewältigen wäre. Vielmehr brauchen wir dafür alle Menschen – alle Bürger dieses Landes“, sagte Eggert heute im Sächsischen Landtag in Dresden. Gleichzeitig mahnte er zum entschlossenen Handeln. „Die Phase des „wilden“ demografischen Wandels, in der wir nur reagieren und anpassen, ist vorbei. Jetzt müssen wir den demografischen Wandel bewusst gestalten“, sagte der Vorsitzende der Enquete-Kommission.
Dazu sei auch ein Wandel in den Köpfen der Menschen notwendig. Die Politik müsse die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die ältere Generation sich länger aktiv einbringen könne. „Der momentan grassierende Jugendwahn wird sich als das erweisen was er ist und immer war: ein unmenschlicher und Ressourcen verschlingender Wahn“, so Eggert. So sollten Arbeitgeber sich nicht länger leichtfertig von älteren Menschen trennen, sondern in deren Weiterbildung und Gesundheit investieren. Hochschulen sollten Senioren aber auch jüngeren Erwachsenen, die fest im Erwerbsleben stehen, berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Durch die Qualifizierung Erwachsener könne dem Mangel an qualifizierten Fachkräften besser begegnet werden.
Sachsen müsse ein familienfreundliches Land sein, so Eggert weiter. Familien müsste ein Umfeld geschaffen werden, in dem Kinder alle Förderung erhalten, die sie brauchen. Zum Beispiel fordert die Enquete-Kommission, Eltern, die mehr als zwei Kinder haben, besonders intensiv zu fördern.
„Sachsen muss attraktiver werden für Menschen, die zurückkehren oder neu zuziehen wollen“, so Eggert. Auch über verantwortungsvolle koordinierte Zuwanderung müsse nachgedacht werden. „Und bevor der Protest der Rechtsextremen einsetzt, will ich es gleich deutlich sagen: Ihr springerstiefelbeschuhtes und bierbüchsenbewaffnetes „Ausländer raus“ -schreiendes Klientel wird unsere Zukunft nicht sichern. Selbst ihre eigene nicht“, sagte Eggert.

Dresden, den 21. Januar 2009



Gastbeitrag - Veröffentlicht in der Morgenpost vom 25.01.2009/hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors
Veröffentlicht am Montag, 26. Januar 2009 in: | Chemnitz-Report!
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