Wissen und Handeln
von
Heinz Eggert | (c) h.e. | 22.01.2009
Sachsen und der demographische Wandel - die
Entwicklung wird in Sachsen regional sehr unterschiedlich sein.
Während in einigen Regionen die Abwanderung und die Alterung
weiter ein Problem sein werden, werden sich die drei
Großstädte fast nur auf die Alterung der Bevölkerung
einstellen müssen.
Die
Fakten sind bekannt. Von derzeit 4,3 Millionen werden wir in 20 Jahren
in Sachsen noch 3,7 Millionen Einwohner haben. Gleichzeitig altert die
Bevölkerung. Die Gründe dafür sind ganz einfach -
niedrige Geburtenraten, höhere Lebenserwartung und Abwanderung.
Seit 1990 haben wir über 250.000 Einwohner verloren. Auch
junge Frauen, die seit 1991 über 43.000 Kinder eben nicht in
Sachsen geboren haben. Das alles hat natürlich Auswirkungen
für Familie und Gesellschaft, Wirtschaft und Arbeit, Wissenschaft
und Forschung, Infrastruktur und Verkehr, Gesundheit und soziale
Sicherungssysteme, öffentliche Finanzen und Verwaltung en.
Nur welche? Und wie kann man rechtzeitig gegensteuern?
Deshalb haben drei Jahre lang 30 Politiker und Wissenschaftler
über die demographische Entwicklung und ihrer Auswirkungen in
Sachsen nachgedacht, diskutiert und Strategien und Empfehlungen
entworfen. Sie sind durch Sachsen gefahren, um sich vor Ort
selber ein Bild machen zu können und Gespräche zu
führen. Denn die Entwicklung wird in Sachsen regional sehr
unterschiedlich sein. Während in einigen Regionen die
Abwanderung und die Alterung weiter ein Problem sein
werden, werden sich die drei Großstädte fast nur auf die
Alterung der Bevölkerung einstellen müssen.
Wer kennt von uns nicht Menschen aus seinem persönlichen
Umfeld, die fortgezogen sind, die aber gerne zurückkommen
würden, wenn die Bedingungen stimmten.
Wir geben Millionen für eine gute Ausbildung unserer
Hochschulabsolventen aus. Wenn diese in ein anderes Bundesland gehen,
das nicht die Kosten der Wissensvermittlung getragen hat, tragen sie
alleine durch ihre Einkommensteuer zum Reichtum dieses und zur Armut
unseres Landes bei. Alleine für 2002 bezifferte sich Verlust in
Sachsen auf 522 Millionen €. Unfreiwillige Entwicklungshilfe des Ostens
für den Westen.
Aber noch etwas kommt dazu- die finanziellen Mittel, über die
Sachsen verfügt, werden knapper. Deswegen müssen jetzt
schon alle momentanen Haushaltsentscheidungen dem demografischen Faktor
angepasst werden. Wir müssen jetzt, wo noch Geld vorhanden ist,
diese Mittel nutzen, um uns auf den Wandel einzustellen und unseren
Enkeln nicht finanziell die Lebensgrundlagen zu entziehen
Jetzt wurde der 400 Seiten lange Bericht im Landtag diskutiert. Das
Interesse hielt sich in Grenzen.
Auch bei den Medien. Ok!
Dann muss jetzt jeder Bürger selbst schnellstens begreifen, dass
von den notwendigen Veränderungen die eigene Zukunft und die
Zukunft seiner Kinder und Enkelkinder abhängt.
Dazu brauchen wir ein Umdenken in der Gesellschaft. Die ältere
Generation muss sich länger aktiv einbringen können. Der
momentan grassierende Jugendwahn wird sich als das erweisen was er ist
und immer war: ein unmenschlicher und Ressourcen verschlingender Wahn.
Allerdings werden wir es ohne eine neue Kultur des Miteinanders nicht
schaffen. Der Staat kann nicht alles richten.
Oder?
Heinz Eggert
Staatsminister
a.D, MdL
Anlage:
Demografischer
Wandel kann nur gemeinsam von allen Sachsen bewältigt werden
Presseerklärung von Heinz
Eggert
Der
ehemalige Innenminister und Vorsitzender der Enquete-Kommission zur
demografischen Entwicklung in Sachsen, Heinz Eggert, fordert ein
konzertiertes Handeln, um den Bevölkerungsrückgang im
Freistaat bewältigen zu können. „Der demografische Wandel ist
kein Phänomen, welches allein mit technischen Lösungen zu
bewältigen wäre. Vielmehr brauchen wir dafür alle
Menschen – alle Bürger dieses Landes“, sagte Eggert heute im
Sächsischen Landtag in Dresden. Gleichzeitig mahnte er zum
entschlossenen Handeln. „Die Phase des „wilden“ demografischen Wandels,
in der wir nur reagieren und anpassen, ist vorbei. Jetzt müssen
wir den demografischen Wandel bewusst gestalten“, sagte der Vorsitzende
der Enquete-Kommission.
Dazu sei auch ein Wandel in den Köpfen der Menschen notwendig. Die
Politik müsse die Rahmenbedingungen so gestalten, dass die
ältere Generation sich länger aktiv einbringen könne.
„Der momentan grassierende Jugendwahn wird sich als das erweisen was er
ist und immer war: ein unmenschlicher und Ressourcen verschlingender
Wahn“, so Eggert. So sollten Arbeitgeber sich nicht länger
leichtfertig von älteren Menschen trennen, sondern in deren
Weiterbildung und Gesundheit investieren. Hochschulen sollten Senioren
aber auch jüngeren Erwachsenen, die fest im Erwerbsleben stehen,
berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Durch die
Qualifizierung Erwachsener könne dem Mangel an qualifizierten
Fachkräften besser begegnet werden.
Sachsen müsse ein familienfreundliches Land sein, so Eggert
weiter. Familien müsste ein Umfeld geschaffen werden, in dem
Kinder alle Förderung erhalten, die sie brauchen. Zum Beispiel
fordert die Enquete-Kommission, Eltern, die mehr als zwei Kinder haben,
besonders intensiv zu fördern.
„Sachsen muss attraktiver werden für Menschen, die
zurückkehren oder neu zuziehen wollen“, so Eggert. Auch über
verantwortungsvolle koordinierte Zuwanderung müsse nachgedacht
werden. „Und bevor der Protest der Rechtsextremen einsetzt, will ich es
gleich deutlich sagen: Ihr springerstiefelbeschuhtes und
bierbüchsenbewaffnetes „Ausländer raus“ -schreiendes Klientel
wird unsere Zukunft nicht sichern. Selbst ihre eigene nicht“, sagte
Eggert.
Dresden, den 21. Januar 2009