CDU-Kreisparteitag
in Chemnitz zur Aufarbeitung der Wahlen der letzten Jahre
von
Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges
Journal aus Chemnitz! | 09.10.2006
Ein Abend der harten klaren Worte
Am Abend des 09.10.2006
trafen sich die Chemnitzer
Christdemokraten im Hotel Mercure zu einem Kreisparteitag um die
Wahlergebnisse der letzten Wahlen aufzuarbeiten, um zu diskutieren und
vor allem, um eine Neuausrichtung mit Blick auf das "Superwahljahr"
2009 zu erreichen.
Nach der verbalen Aufrüstung in den örtlichen Medien,
diversen Papieren und Veranstaltungen im Anschluß an die
verlorene Oberbürgermeisterwahl sollte dieser Kreisparteitag zum
klärenden Gewitter werden, um danach befreit und geeint in die
Zukunft blicken und zielstrebig wieder Sachthemen angehen zu
können.
Bereits bei dem Tagesordnungspunkt "Wahlaufbereitung" prallten die
beiden kontroversen Auffassungen voll aufeinander. Während die
Vertreter einer Gruppe, die Wahlniederlage in erster Linie in der
Person Detlef Nonnen sowie in fehlenden Inhalten und Fehlern im
Wahlkampf begründet sahen, äußerte die andere Gruppe im
Wesentlichen die Auffassung, daß der Kandidat Detlef Nonnen und
die zahlreichen Helfer aus Chemnitz und ganz Sachsen - trotz sicher
auch gemachter Fehler - einen sehr engagierten Wahlkampf geführt
haben, aber die Spaltung des bürgerlichen Lagers durch den
Kandidaten Herrn Barthel sowie die verdeckte Unterstützung Herrn
Barthels durch CDU-Mitglieder für die Wahlniederlage
maßgeblich war.
Fakt ist, daß in diesem Wahlkampf trotz unterschiedlicher
Positionen zu vielen Detailfragen und Herangehensweisen keiner der
Kandidaten sich inhaltlich klar von seinen Mitbewerbern abheben und
mitreißende Zukunftsvisionen aufweisen konnte. Fakt ist auch,
daß Herr Barthel das bürgerliche Lager spaltete, in nicht
unerheblichem Maße Stimmen abzog und mit seiner Aussage, er
möchte unbedingt Zweiter werden, bewußt die Verhinderung
eines bürgerlichen Oberbürgermeisters in Kauf nahm. Nicht
zuletzt hätte sicher auch - unabhängig von allem
gezeigten Engagement - das Eine oder Andere bei dem Wahlkampf noch
besser gemacht werden können.
Die Aussagen, daß die CDU nicht für Inhalte stehe, sich die
Mitglieder nicht einbringen könnten und Arbeit nur in Zirkeln
stattfinde, haben sicher teilweise eine Berechtigung. Allerdings bewies
die erfreulich breite und umfangreiche Beteiligung beim
Strategieprogramm eine angenehme vorwärtsblickende Lebendigkeit.
Das sich bisher und in Zukunft selbstverständlich Jeder in die
Parteiarbeit auch ohne separatem Anstoß oder Aufforderung bzw.
gar Genehmigung durch die "Parteiobrigkeit" einbringen und Themen
besetzen , Anträge stellen und diese erfolgreich forcieren konnte
und kann, bewies u.a. der erst am Samstag vom CDU-Landesparteitag in
Pirna verabschiedete Antrag zur "Mehrwertsteuerabsenkung
für arbeitsintensive Leistungen".
Fairnis im Umgang miteinander war immer wieder im Munde der Redner.
Hierzu gehört auch, daß man Diskussionen dort führt, wo
sie hingehören - in Ortsverbandsmitgliederversammungen und
Kreisparteitagen, nicht etwa vorab in Zeitungen. Nachdenklich sollte
sicher auch der Eine oder Andere werden, wenn er rückblickend
seine Wortwahl bei der Diskussion auf dem Parteitag und im Vorfeld
kritisch unter die Lupe nimmt. Die CDU ist eine Wertepartei und dies
muß sich unbedingt auch im Umgang miteinander - insbesondere im
Hinblick auf das "C" im Parteinamen - widerspiegeln.
Die überwiegende Mehrheit der Mitglieder sah dies so. Dennoch, die
Fronten sind derart verhärtet, daß dieser Parteitag trotz
der klaren und zum Teil harten Worte wohl kein reinigendes Gewitter
darstellt - eher ein Erdbeben, nach lange aufgestautem Druck, dem noch
weitere Nachbeben folgen werden.
Trotzdem bietet gerade dieser Parteitag auch Grund zu Optimismus.
Die CDU Chemnitz redet mehr als drei Stunden Klartext, ordnet
Verantwortlichkeiten zu - und vor allem schickt sie sich an, ein
Strategieprogramm durch die Mitglieder zu erstellen und zu
beschließen - und die Mitgliederbeteiligung und deren Engagement
hierbei ist groß!
Welche Wichtigkeit Parteiführung und Mitglieder der Aufarbeitung
und Klärung offener Fragen aus der Vergangenheit betreffs
Wahlkampf und Parteiarbeit zusprachen, zeigte sich darin, daß
weder die Diskussion aus Zeitgründen abgebrochen, noch, wie sonst
durchaus üblich, im Vorfeld ein Zeitlimit hierfür gesetzt
oder Redezeitbegrenzungen festgelegt wurden.
Auch wenn mit Rücksicht auf die Klärung von Vergangenem auf
Grund der langen, offenen und kritischen Debatte der Tagesordnungspunkt
"Strategieprogramm" vertagt werden mußte, ist die CDU Chemnitz
wohl auf dem Weg, mit Blick auf die Notwendigkeiten der Stadt Chemnitz
und die Interessen ihrer Bürger im Wettbewerb mit den politischen
Kontrahenten wieder Boden gut zu machen.
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