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   Nachrichten        Mittwoch, 30.05.2007  

Dringliche Sondersitzung des Kreiselternrates Chemnitz

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 30.05.2007

Die letzten Schulschließungsbeschlüsse im Stadtrat erforderten die kurzfristige Einberufung des Gremiums - Kreiselternrat Chemnitz erteilt Auftrag zur Vorbereitung eines Bürgerbegehrens für Anfang September!

Am 30.05.2007 trafen sich die Vorsitzenden der Chemnitzer Schulelternräte zu einer sehr kurzfristig einberufenen Sondersitzung des Kreiselternrates Chemnitz in der neuen Aula des Dr.-Wilhelm-Andrè-Gymnasium. Grund für die Kurzfristigkeit waren die letzten Schulschließungsbeschlüsse im Stadtrat von Chemnitz sowie der von den Arbeitsgruppen "Grundschulen" und "Mittelschulen" geäußerte Wunsch nach Durchführung eines erneuten Bürgerbegehrens gegen Schulschließungen.

Die Sitzung begann mit einer etwas geänderten Tagesordnung. Zunächst wurde der Film über den "Girls-Day 2007" gezeigt, welchen Frau Jana Voigt (TU Chemnitz) dem Kreiselternratsvorsitzenden, Herrn Andreas Müller, freundlicher Weise vorab zur Verfügung gestellt hatte.  Der ausleihbare Film zeigt in anschaulicher Weise die Höhepunkte des diesjährigen "Girls-Day", aber auch
den hiesigen Fachkräftebedarf und die großen Chancen zukünftiger Berufseinsteiger/innen auf dem Arbeitsmarkt der Region.
Im Anschluß berichtete der Kreiselternratsvorsitzende über die stark zugenommenen Aktivitäten in der Stadt Chemnitz im Bereich Berufsorientierung und Berufsvorbereitung. Besonders hervorzuheben sind nach Auffassung von Herrn Müller dabei 3 Aktivitätenzentren: der Arbeitskreis "Fachkräftesicherung" bei der Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, der Arbeitskreis "Schule-Wirtschaft" und der Arbeitskreis "Girls-Day". In allen drei Arbeitskreisen ist der Kreiselternrat Chemnitz vertreten.
Der
Arbeitskreis "Fachkräftesicherung" baut auf die langjährige gute Arbeit des Arbeitskreises "Schule-Wirtschaft" auf und hat bereits zu ersten positiven Weichenstellungen geführt. So bindet sich u.a. die CWE jetzt aktiv in den Prozess ein. In diesem Zusammenhang wurde auf die beiden in Kürze anstehenden Treffen der Elternräte in der CWE hingewiesen.  Dabei wurde allerdings auch festgestellt, daß ein Großteil der Einladungen offensichtlich noch nicht angekommen waren. 
Der Kreiselternratsvorsitzende erläuterte den anwesenden Elternvertretern, daß die Chancen für die zukünftigen Berufseinsteiger derzeit hervorragend sind und sich schulische Leistung wieder lohne. Gleichzeitig sei aber auch in zunehmenden Maße eine dauerhafte weitgehende Unvermittelbarkeit gering qualifizierter Menschen zu verzeichnen. Dies betreffe im Schulabgängerbereich insbesondere die Hauptschüler, deren Chancen auf einen Berufseinstieg trotz Wirtschaftswachstum und Fachkräftebedarf weiter dramatisch abnehmen würden. Er appellierte in diesem Zusammenhang an alle, sich konsequent darum zu bemühen, daß ihre Kinder die höchstmöglichen Abschlüsse erhalten, notfalls auch gegen ungerechtfertigte vorzeitige Ausschulungen Dr.-Wilhelm-Andre-Gymnasiumanzukämpfen. Leider haben den Kreiselternrat gerade in letzter Zeit einige Informationen erreicht, das Hauptschüler mit Notendurchschnitten besser als 3,0 nicht die Möglichkeit zur Erreichung der Realschulreife an der Regelschule erhielten. Dafür wäre aber ein sprunghafter Anstieg der Schüler der Abendmittelschule zu verzeichnen.

Im zweiten Tagesordnungspunkt stellte die erste stellvertrende Vorsitzende, Frau Ines Hetzel, den Anwesenden den Runden Tisch "Kind & Co" vor. Dieser befasst sich mit der weiteren Verbesserung des Übergangs von den Kindertagesstätten in die Grundschulen. Hier ist in den vergangenen Jahren schon viel erreicht worden. Bei der zweiten Mitgliederversammlung am 24.01.2007 war die
Schulleiterin der Sprachheilschule, Frau Kerstin Reiner, an den Vorstand des Kreiselternrates heran getreten, mit der Bitte um Unterstützung beim Aufbau eines Runden Tisch "Kind & Co" für Kinder mit erhöhtem Förderbedarf. Mittlerweile hat eine Vorstandssitzung mit Ihr und einer Vertreterin des Jugendamts stattgefunden, bei welchem man sich auf eine aktive Mitarbeit des Kreiselternrates am Runden Tisch geeinigt hat. Der Vorstand bittet nun, interessierte Eltern sich bei ihm zu melden, welche sich hierbei gegebenenfalls mit einbringen möchten.

Der Tagesordnungspunkt Drei befasste sich mit einem für die Elternräte eher unangenehmen Thema: den letzten Entscheidungen im Stadtrat zu der Aufhebung der Karl-Liebknecht-Grundschule sowie den Vorgängen um den stadtseitig geplanten Umzug der Albert-Schweitzer-Mittelschule. Insbesondere der stadtseitige Umgang diesbezüglich mit dem Kreiselternrat stieß genauso auf Unverständnis wie die Kluft zwischen den permanenten öffentlichen Aussagen des Schulbürgermeisters, daß die Schulschließungen abgeschlossen wären, und dem gleichzeitigen Einbringen immer neuer Schließungen durch sein Dezernat.
Der Vorstand des Kreiselternrates Chemnitz informierte das Gremium über die Verfassung von zwei Rechtsaufsichtsbeschwerden im Zusammenhang mit vorgenannten Vorgängen und holte sich die Legetimierung für deren Einreichen ein. Eine Rechtsaufsichtsbeschwerde richtet sich gegen das Zustandekommen des Beschlusses zum Umzug der Albert-Schweitzer-Mittelschule, die andere zur Aufhebung der Karl-Liebknecht-Grundschule.

In den Tagesordnungspunkten Vier und Fünf wurden die Stellungnahmen zu den Beschlüssen des Stadtrats "Umzug der Albert-Schweitzer-Mittelschule in das Gebäude der Kopernikus-Mittelschule" (Konzept) und "Umzug der Abend-Mittelschule in das Gebäude des Heisenberg-Gymnasiums" (Beschlussvorlage) vorgestellt, diskutiert und beschlossen.

Bei der Information zum Hauptpunkt des Abends kam Diskussion auf. Der Wunsch auf die Durchführung eines Bürgerbegehren resultiert in erster Linie aus dem Eingriff in das Grundschulnetz aus ökonomischen Interessen, statt aus fehlendem öffentlichen Bedürfnis. Mit dieser Entscheidung haben die Schulverwaltung und die zustimmenden Stadträte sich von der jetzt ca 5 Jahre andauernden konsequenten Politik "Kurze Wege für kurze Beine" abgewandt. Darüber hinaus haben sie erstmals eine Schule geschlossen, ohne das das Kultusministerium dies vor gab - rein aus ökonomischen Interessen. Hinzu kommt die Art und der zeitliche Ablauf, die wenig Spielraum für faire Anhörung und Elternbeteiligung boten.
Mit der Schließung der Karl-Liebknecht-Grundschule reagiert die Stadt auf die vorherige Aufgabe von zwei Dritteln ihrer Mittelschulstandorte (im Übrigen auch ein Prozess, der in keinster Weise abgeschlossen scheint!).
Zahlreiche geschlossene Mittelschulen waren in Doppelstandorten mit Grundschulen. Hier sollen nun offensichtlich jeweils zwei zu einer großen Grundschule (3 bis 5-zügig) zusammengefasst werden. Auf der Strecke bleiben hierbei die Horträume und die kurzen Wege. In einer ähnlichen Situation wie die Karl-Liebknecht-Grundschule und die Schlossschule GS sind noch mindestens acht Chemnitzer Grundschulstandorte.
Der Vorstand erläuterte das Dilemma bei einem Bürgerbegehren zwischen den Fristen und dem Bezug zur Karl-Liebknecht-Grundschule. Prinzipiell hat man 2 Monate Zeit, um die nötigen Unterschriften zu beschaffen. Richtet sich das Bürgerbegehren gegen einen Stadtratsbeschluss, so beginnt dessen Laufzeit mit Veröffentlichung des Beschlusses. Strittig ist, ob bereits die öffentliche Beschlussfassung im Stadtrates als Veröffentlichung angesehen werden muß, oder erst die Veröffentlichung im Amtsblatt. In beiden Fällen wäre aber schon zu viel Zeit vergangen, um das Bürgerbegehren erfolgreich umzusetzen. Die Problematik der Karl-Liebknecht-Grundschule kam einfach zu überraschend, um hierauf wirksam reagieren zu können, stellte der Vorstand enttäuscht fest.
Der Vorstand des Kreiselternrates sieht aber eine Möglichkeit, ggf. neben dem Erhalt aller anderen Grundschulstandorte trotzdem auch die Beschulung der beiden Gebäude am Doppelstandort "Rosa-Luxemburg-Grundschule / Karl-Liebknecht-Grundschule" mit dem Bürgerbegehren durchzusetzen. Der vorgelegte Entwurf war den meisten Elternvertretern zu kompliziert formuliert. Der Vorstand wurde beauftragt, das im Entwurf dargestellte Anliegen einfacher verständlich zu formulieren und für den September eine Sondersitzung des Kreiselternrates einzuberufen, auf der das Bürgerbegehren gestartet werden soll.
Um die Solidarität der Oberstufenschulen zu erhöhen, die von einigen Elternvertretern durchaus kritisch gesehen wurde, und die Elternräte der Kindertagesstätten einzubeziehen, wurden auch Überlegungen dahingehend geltend gemacht, ein weiteres Bürgerbegehren zu einem alle betreffenden Parallelthema zu starten, wie etwa den Schülerbeförderungskosten. Dies wird vom Vorstand noch einmal kritisch überdacht.

In den allgemeinen Informationen gab der Vorsitzende einen kurzen Rechenschaftsbericht über die Arbeit des vergangenen Jahres. Generell wäre die Entwicklung im Kreiselternrat von der "Schlummer-Rolle der letzten 3 Jahre" hin zur wieder echten "Lobby-Vertretung der Eltern und Schüler" erfolgreich gewesen. Zahlreiche Aktivitäten des Vorstandes hätten sowohl nach innen als auch nach außen den Stand des Gremiums gefestigt. Zu erwähnen wären hierbei u. a. die Veranstaltungen zu "Ganztagsangeboten", zu "Neuen Prüfungsbedingungen bei Mittelschulen" und zur "Schülerbeförderung in Chemnitz" (mit CVAG und Schulverwaltungsamt), die Arbeitsgruppensitzungen "Grundschulen" und Mittelschulen" (Letztere zusammen mit der Oberbürgermeisterin) sowie acht Vorstandssitzungen und die Mitwirkung in zahlreichen, die Arbeit des Kreiselternrates tangierenden Gremien.
Derzeit ist der Kreiselternrat nicht nur konstruktiver und engagierter Ansprechpartner für die Eltern und Schüler, sondern auch für zahlreiche Arbeitskreise, den Runden Tisch, Selbsthilfegruppen, die TU und die Stadtverwaltung Chemnitz und die Sächsische Bildungsagentur. Ebenso konnte vorsichtig an die ehemalig bestehenden guten Kontakte zu den regionalen Kreiselternräte angeknüpft werden.
Negativ zu verzeichnen ist, daß zwar auf einigen Gebieten mit der Stadtverwaltung Chemnitz dankenswerter Weise eine hervorragende Zusammenarbeit besteht, bei Schulnetzfragen und anderen eher kritischen Aspekten der Kreiselternrat aber das ganze Gegenteil erfährt. Bedauerlich ist auch die sehr große Anzahl von Stellungnahmen, welche der Kreiselternratm trotz der stadtseitigen Ankündigungen, "keine Schulen mehr zu schließen", zu Schulschließungen bei im Regelfall völlig inakzeptablen Fristsetzungen erstellen musste. Dabei wurde seitens des Kreiselternrates ausdrücklich großer Wert auf die Qualität der Stellungnahmen gelegt.
Als nicht umgesetzter Aspekt muß die Beschlussfassung zum 2. Strategieprogramm angesehen werden. Diese soll nunmehr ebenfalls im September 2007 erfolgen.
Abschließend verwies der Kreiselternratsvorsitzende noch darauf, daß der Vorstand ein hervorragend zusammen arbeitendes Team sei und er bedankte sich ausdrücklich für die gute, faire und fleißige Zusammenarbeit aller.

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