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Konjunkturpaket
II - Deutschlands Weg aus der Weltwirtschaftskrise?
von
Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges
Journal aus Chemnitz! | 13.01.2009
Das "Programm für Beschäftigung und
Stabilität" - ein Programm, eingeklemmt zwischen Partei- und
Wahlkampftaktik, dass nach den bisherigen Veröffentlichungen eher
einem politischen Offenbarungseid zu gleichen scheint, als dazu zu
dienen, um Arbeitsplätze und Unternehmen in Deutschland
kriesenfest zu machen und den Menschen Zuversicht zu geben, wie Herr
Kauder (CDU) nach der "Einigung" mit der SPD hierüber
ausführte.
40 Milliarden € sollte es ursprünglich
kosten - das Konjukturpaket 2. Doch erst drohte die CSU, sie werde dem
Konjunkturpaket nur zustimmen, wenn die Steuern gesenkt würden.
Dann legte die SPD nach und machte ihre Zustimung von der Senkung der
Krankenkassenbeiträge abhängig. Dazwischen stand eine CDU,
welche
darüber debattierte, ob Verstaatlichung der richtige Weg sei.
Für Dampf im Kessel sorgten schliesslich auch noch die selbst
gesetzten Termine sowie die demonstrative Ankündigung, dass man
sich in jedem Fall fristgerecht einigen würde. Ein Ausbleiben der
Einigung wäre mit Blick auf die diesjährigen Bundestagswahlen
vermutlich dessaströs für die Koalitionäre gewesen. So
blieb letztendlich wohl nichts anderes übrig, als noch weiter
aufzustocken, um alle Koalitionspartner am Ende "erfolgreich" dastehen
zu lassen. Die SPD bekam ihre Krankenkassenbeitragsabsenkung, die CSU
ihre Steuersenkung und die CDU? Was bekam eigentlich die CDU?
100 € pro
Kind
"Begrüßungsgeld"
für unsere Kinder nach dem Motto "Willkommen in der Krise" oder
Ankurbelung der Binnenkaufkraft?
Als Bonus
gedacht, dürfte dieser Betrag möglicherweise am lautlosesten verpuffen.
Für ausreichend- und besserverdiende Eltern ist der Betrag zu
gering, um in einen Kaufrausch zu verfallen. Er landet wahrscheinlich
eher auf den Sparkonten der Kinder, als in unserem Einzelhandel.
Ganz anders wird dies bei den Menschen mit Kindern sein, welche von
ihrer Arbeit nicht mehr den Lebensunterhalt bestreiten können und
teilweise bzw. ganz auf Harz-IV oder andere Unterstützung
angewiesen sind. Die Wahrscheinlichkeit dürfte bei ihnen wohl eher
sehr hoch sein, dass das Geld für den täglichen Konsum
verwendet werden muß und wird.
Hier knüpft positiv an, dass die Regelsätze für Kinder
von 6 bis 13 Jahren in Hartz-IV-Familien von 60 auf 70% erhöht
werden. Auch dieses Geld dürfte sicher - notgedrungen -
weitgehend in den Konsum fliessen. Warum allerdings diese
Erhöhung an eine Altersbeschränkung zwischen 6 und 13 Jahren
geknüpft wurde, ist schwer nachvollziehbar. Was ist bei diesen
Kindern anders als bei den unter 6 und über 13? Geht es hier um
Schulkinder? Wenn ja, warum dann nur bis 13? Ist es nicht geplant, das
die Kinder von Hartz-IV-Empfängern länger als bis zur
8.Klasse in die Schule gehen? Die Kosten für Kinder steigen ja
bekanntlich gerade im Alter über 13 Jahre enorm. Hier dürften
sicher noch weitergehende Erklärungen seitens der
Regierungsparteien zu erwarten sein.
Größerer Steuerfreibetrag und
niedrigerer Steuersatz ab Juli 2009
Wann wirken Steuer"erleichterungen" am
meisten, um eine Krise einzudämmen: Am Anfang, in der Mitte oder
am Ende der Krise ?
Die
Erhöhung des Spitzensteuersatzes für Besser"verdienende"
scheint vom Tisch zu sein. Nach den bisherigen Informationen einigte
man sich in dem
derzeitigen Kompromiß auf eine Anhebung des Grundfreibetrages von
7664 € auf 8004 €
sowie die Senkung des Eingangssteuersatzes von 15 auf 14%. Da ein
Großteil der Menschen in der Bundesrepublik gar keine Einkommen
in einer Höhe haben, wo sie Steuern bezahlen müssen, geht
diese Steuersenkung am bedürftigsten und das Geld am ehesten in
den Konsum steckenden Klientel folglich
gänzlich
vorbei.
Nach Angaben der Koalition sollen die Bürger hierdurch in diesem
Jahr - dem Jahr mit den stärksten prognostizierten Auswirkungen
der
Krise - nur um ca 2,9 Milliarden € und erst im kommenden Jahr um
weitere 6,05 Milliarden € entlastet werden. Schätzungen gehen
derzeit davon aus, dass jedoch die Steuerentlastung
für einen "normalen"(?) steuerzahlenden Haushalt gerade einmal 10
bis 15 €/Monat betragen
dürfte - gerechnet ab dem Zeitpunkt, wo sie wirksam werden. Ob oder inwieweit - und vor allem
wann - diese Beträge dann auch in den
Konsum fliesen, erscheint folglich mehr als fraglich.
Dass die Entlastungen statt
sofort - erst zwei Monate vor der Bundestagswahl im Juli in Kraft
treten sollen, dürfte darüber hinaus große
Zweifel zulassen, ob es sich hierbei überhaupt um eine
Konjunkturmaßnahme und nicht nur um ein Wahlkampfgeschenk auf
Kosten der Steuerzahler handelt.
Eine
Krise kann oft durch frühes, beherztes Eingreifen gemildert
werden. Steuererhöhungen
und Steuersenkungen wirken aber zeitverzögert, z.T. sehr lange
zeitverzögert. Eine Ausnahme hiervon wäre ggf. die
Mehrwertsteuer oder die Öko-Steuer gewesen, welche für
Konsumenten und Wirtschaft relativ schnell
spürbar würden. Warum
also gerade die Einkommenssteuer gewählt und warum insbesondere
der Zeitpunkt der Entlastungen terminlich derart festgesetzt wurde,
dass ein Bezug seiner Auswirkungen auf die Krise kam noch erkennbar
bleibt,
dafür aber ein Bezug zum Wahlkampf sich regelrecht
aufzudrängen scheint, ist schwer nachvollziehbar und wird den drei
großen Volksparteien im
Wahlkampf wohl noch einige Kritik und Hähme einbringen.
Senkung des Krankenkassenbeitrages um
0,6%
Wie kaufkraftstimmulierend wirkt eine
etwas geringere bzw. wieder etwas reduzierte Erhöhung der
Beiträge: Ganz stark? Etwas? Oder?
Mit dem
Jahreswechsel traten die neuen, deutlich höheren
Krankenversicherungsbeiträge in Kaft. Bei der AOK Sachsen
erhöhte sich der Beitrag dadurch zum Beispiel von 14,8% auf 15,5%.
Nach der
Senkung um die geplanten 0,6% wird er sich bei 14,9% einfinden. Es
bleibt eine Erhöhung
von 0,1% gegenüber dem Vorjahr. Es dürfte schwer vorstellbar
sein, dass eine Erhöhung gegenüber dem Vorjahr, auch wenn sie
nun nur noch minimal ausfällt, kaufkraftstimmulierend sein wird.
Positiv ist jedoch anzumerken, dass die negative Kaufkraftstimmulierung
hierdurch etwas eingedämmt werden könnte.
Etwas Gutes für die Konjunktur wäre es wohl gewesen,
wäre die Erhöhung ganz unterblieben, zumal man die geballte
Wucht der Krise
schon sah, als man die Erhöhung des Beitragssatzes beschloss. So
mutete das Ganze
tatsächlich wie ein fauler Budenzauber an, bei dem man darauf
setzt, dass der Beitragsszahler schon vergessen hat, dass er noch im
vergangenen Monat deutlich weniger gezahlt hat.
2500 € Abwrackprämie
Wieviel
Menschen gibt es in Deutschland, die neun Jahre ein Auto fahren bzw.
ein neun Jahre altes Auto besitzen und trotzdem das Geld und den Willen
haben, sich ein neues zu kaufen: Eher sehr viele? Eher viele? Oder?
Die Autoindustrie steckt tief in der Krise.
Das ist unübersehbar. Die Probleme aber sind hausgemacht.
Händler, welche sich mitunter auf Knebelverträge
mit Preisbindung und Abnahmegarantien unabhängig von der
Verkaufbarkeit bis teilweise zum Konkurs einliessen, enorme
flüssige Geldmittel Dank (zu?) hoher Renditen am Aktienmark und
zunehmende Beschäftigung von Leiharbeitern statt Festangestellten
sowie das in die Jahre gekommene Qualititässiegel "Auto made in
Germany" konnten die bereis vorhandenen Defizite zu teurer und zu viel
Kraftstoff verbrauchender Produkte lange Zeit übertünschen.
Wer jedoch genauer die Werbemeldungen verfolgte, sah anhand der
Kreditangebote für den Kauf von Pkw-s - teilweise mit
0,00%-Finanzierung - das die Verkaufsmöglichkeiten weitgehend
ausgereizt und der Binnenmarkt gesättigt war. Mit dem Einbruch der
künstlich überhöhten Aktienkurse fehlte dann das
flüssige Kapital. Die weltweiten Exportrückgänge
verschärften die Situation noch.
Die Umstellung in vielen Branchen auf schlechter bezahlte Leih- und
Kurzarbeiter senkte die Binnenkaufkraft genauso, wie die
mehrjährige Lohnzurückhaltung vieler Arbeitnehmer. Die Autos
dagegen wurden immer teurer. Die Zeiten, wo es mit dem "Käfer"
einen echten VOLKSwagen gab, den sich viele auch als Neuwagen leisten
konnten, scheinen lange vorbei. Hinzu kommt, dass Firmen ebenfalls
vorsichtiger werden, bei der Erneuerung ihres Fuhrparkes, bzw. sich
dies gar nicht mehr leisten können. Angesichts schlechter
Konjunkturaussichten für die Gesamtwirtschaft werden aber auch die
Wünsche der etwas finanzkräftigeren Privatkunden zur
Erneuerung des eigenen Fahrzeuges von
vielen zugunsten existentiellerer Dinge immer weiter hintenangestellt.
Der Binnenmarkt für Neuwagen sackt praktisch auch zusammen.
Die Regierung versucht nun mit einer Abwrackprämie gegen zu
steuern. 2500 € soll künftig erhalten, wer ein mindestens neun
Jahre altes Fahrzeug abmeldet und sich ein neues kauft. Davon
abgesehen, dass es sicher nur ein sehr geringes Klientel gibt, welches
derart alte Autos fährt und sich gleichzeitig ein neues Auto
leisten kann, fehlen jegliche Auflagen zu Kraftstoffverbrauch oder CO2.
Damit erscheint dieser Vorstoss nicht nur höchst unwirksam,
sondern auch noch an den Klimazielen der Regierung vorbei. Letztlich
dürfte er auch falsche Signale für die Autoindustrie setzen,
da es indirekt die Fehlentwicklungen einer Branche, insbesondere aber
der Verweigerung zur Entwicklung treibstoff- und CO2-ausstossarmer
Autos noch zu belohnen scheint.
Ein "Weiter so" jedoch dürfte der Markt nicht mehr zulassen. Es
müsste wahrscheinlich eine völlig neue Generation von Autos
auf dem Markt erscheinen, um die Bürger im großen Stil dazu
zu bewegen, ein altes Autos durch ein neues zu ersetzen. Eine
Generation von Autos, die kaum Benzin oder Diesel verbrauchen und
deren CO2-Ausstoss drastisch minimiert wäre. Derartige
Zeichensetzungen sind jedoch weder in der Autoindustrie noch in den
bisherigen Veröffentlichungen zum Konjunkturprogramm derzeit
erkennbar.
Ein kleiner Hoffnungsschimer diesbezüglich mag möglicherweise
im Bereich der Kfz-Steuer sich vorsichtig andeuten. Die derzeitige
Kfz-Steuer soll MÖGLICHST
bis zum 1. Juli 2009 als emmissionsbezogene Abgabe gestaltet werden.
Angedacht ist eine von der Kfz-Steuer befreite Grundmenge von
ausgestossenem CO2, welche 2010 und 2011 voraussichtlich 120
Gramm/Kilometer betragen soll. Wenn man aber berücksichtigt, wie
mager die erst im November eingeführte befristete
Kfz-Steueränderung diesbezüglich ausfiel und wieviel
Kraftanstrengung hierfür aufgebracht werden musste, bleiben sicher
berechtigte Zweifel einer Einhaltung des Terminzieles. Darüber
hinaus wird die Kfz-Steueränderung zwar im Konjunkturpaket
erwähnt, allein ihre terminliche Einordnung dürfte eher von
einem normalen Steueränderungsverfahren, als von einer
Konjunkturmaßnahme zeugen.
Förderung bei Kurzarbeit
Reift hier ein neues Kuckucksei zur
Vernichtung von Vollzeitjobs, oder gibt es glasklare Bedingungen
für die Gewährung der Förderung?
Die
Bundesagentur für Arbeit erhält mehr Geld, um 2009 und 2010
die Arbeitgeber bei Kurzarbeit - statt Entlassungen - zu entlasten. Mit
diesem zusätzlichen Geld sollen Arbeitgeber bei Kurzarbeit die von
ihnen allein zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge zur
Hälfte durch die Agentur erstattet bekommen.
In der Formulierung "Um Entlassungen zu vermeiden, soll Kurzarbeit
attraktiver werden" zeigt sich die ganze Problematik dieses Eingriffs
in die Wirtschaft. Wenn hier nicht klare Auflagen für die
Inanspruchnahme dieser Förderung aufgestellt werden, ist eine
mißbräuchliche Nutzung zugunsten der Rückfahrung von
Vollzeitjobs kaum ausschließbar.
Bisherige Erfahrungen mit der Zuwendung solcher Förderungen oder
ähnlicher Eingriffe scheinen relatv wenig dazu geeignet zu sein,
um Befürchtungen diesbezüglich zu entkräften. Die
Zeitarbeit - als untertarifliche Entlohnungsform - ist mittlerweile mit
ihrer Festarbeitsplätze ersetzenden Wirkung allgegenwärtig.
17 bis 18 Milliarden € für
Investitionen für Kommunen und Länder
Wieviel
Planungsvorlauf wird in
Deutschland durchschnittlich bis zum Beginn von
Straßenbaumaßnahmen benötigt: 1 Monat, 1 Jahr, 2
Jahre, oder?
Marode Schulen schreien deutschlandweit nach
Sanierung. Sachsen macht da keine Ausnahme, insbesondere deren
großen Städte nicht. Allein Chemnitz hat bei seinen Schulen
(KiTas nicht hinzugerechnet!) einen Sanierungs- und
Reparaturrückstau von ca. 330 Milionen €. Vor 10 Jahren waren es
noch ca 550 Millionen DM (ca. 275 Millionen €). Der Rückstau wuchs
folglich in den letzten 10 Jahren trotz massiver
Schulschließungen um ca. ein Sechstel. In Dresden und Leipzig
sieht es nicht besser aus.
Geld im Schulhausbau angelegt, ist gut angelgtes Geld. Auch im
Straßenbau angelegtes Geld macht Sinn. Die Infrastruktur ist
wichtig für die Wirtschaft. So sinnvoll das Geld aber auch dort
angelegt ist, es entfaltet keine kurzfristigen Wirkungen. Im Hochbau
ist wegen der Planung und der Genehmigungs- bzw.
Ausschreibungsverfahren frühestens gegen Ende des Jahres mit
Beginn von Baumaßnahmen zu rechnen. Bedingt durch die oftmals
deutlich längeren Genehmigungsverfahren im Straßenbau ist
dort sogar i.d.R. von noch späteren Zeitpunkten auszugehen.
Hinzu kommt, dass der Baumarkt durch die langanhaltende Talfahrt massiv
geschrumpft ist, Kapazitätsengpässe und damit höhere
Bau- und Materialkosten faktisch vorprogrammiert sind. Ob die
Planungsbüros und Baufirmen für ein zweijähriges
Strohfeuer auf dem Baumarkt gewillt sind, das Risiko einer
Erhöhung ihrer Kapazitäten einzugehen, bleibt abzuwarten.
Von den 17 bis 18 Milliarden € für Investitionen für Kommunen
und Länder kommen in Sachsen voraussichtlich 590 Millionen € an.
Das allein der Sanierungs- und Reparatur-Rückstau an den Schulen
der 3 großen sächsischen Städten größer ist
als dieser Betrag, relativiert etwas den Blick für die Zahlen und
lässt erkennen, dass auch nach diesem Paket noch auf lange Sicht
großer Investitionsbedarf besteht. Die Frage wird dann sein,
woher das Geld kommen soll.
100 Milliarden € als Kredit- und
Bürgschaftsprogramm für Firmen zur Überbrückung von
Engpässen bei der Finanzierung durch Banken Wer wird sie erhalten: Die großen
Konzerne mit ihrer Sogwirkung für Zulieferer? Oder die
mittelständischen Firmen, deren Verschwinden vom Markt nur wenige
bemerken?
Eigentlich
hätte der Rettungsschirm für die Banken genau
diesen Part übernehmen sollen. Er sollte ermöglichen, dass
die dringend benötigte Kreditvergabe wieder in Gang kommt. Doch
insbesondere die Privatbanken tun sich nach ihren von wenig Demut
zeugenden Äußerungen am Anfang der Krise schwer, unter den
Rettungsschirm zu krabbeln. Zuviel hängt davon ab, nicht zuletzt
die unanständig hohen Managergagen.
Doch wie instabil auch die Privat-Banken tatsächlich sind, zeigt
nicht nur die Commerzbank. Auch die
Deutsche Bank ist offensichtlich nicht mehr ausreichend flüssig.
Immerhin
muß sie den Erwerb der Deutsche Post-Tochter Postbank mit eigenen Aktien
(Unternehmensanteilen) in Milliardenhöhe bezahlen. Die
Deutsche Post, an der der Bund über die Förderbank KfW
beteiligt ist,
wird folglich mit 8% Großaktionär bei der Deutschen Bank.
Der Gesamtwert für die Übernahme
beläuft sich den Angaben
zufolge sich auf 4,9 Mrd. Euro. Die Post hält derzeit über 62
Prozent
der Postbank-Aktien. Doch nicht nur hieran zeigt sich die Schieflage
der Deutsche Bank. Wie überraschend mitgeteilt wurde, wird sich
das Minus für 2008 nach vorläufigen Daten auf 3,9 Mrd. Euro
unter dem Strich belaufen. Diese Nachrichten liesen die Kurse der
DB-Aktie zunächst fallen, was die Gesamtsituation weiter
verschlechtern dürfte.
Es klingt
gigantisch: 100 Milliarden € als Kredit- und Bürgschaftsprogramm
für Firmen zur Überbrückung von Engpässen bei der
Finanzierung durch Banken. Entscheidend
wird auch hier aber sein, wo liegen die Prioritäten. Stützen
diese Mittel große Konzerne, welche z.T. eine Mitschuld an der
derzeitigen Krise tragen, oder greift man den Geist der ersten Stunde
unserer Bundesrepublik auf und stützt vordergründig kleinere
und mittelständige Firmen, die eigentlichen Opfer der Krise.
Fazit: Schönes aber z.T. mehr an
Parteiinteressen als an der Krise ausgerichtetes, zu teures und wohl
viel zu spät greifendes Signal
Bis
auf die Erhöhung des Kinder-Regelsatzes für
Hartz-IV-Empfänger und das Kredit- und Bürgschaftsprogramm
greift fast keine Maßnahme vor Ende des Jahres 2009. Die
Berücksichtung der Parteiinteressen dürfte darüber das
Paket um bis zu 15 Milliarden unnötig verteuert haben.
Sicher war es gut und richtig ein Paket zur
Eindämmung der Krise zu packen. Auch die Höhe sollte wegen
der Umstände durchaus nachvollziehbar und akzeptierbar sein, auch
wenn sie der Nachfolgegeneration eine ungeheure Schuldenlast
aufbürden.
Beim Aufschnüren des Paketes mag es jedoch vielen schal
aufstossen. Nicht einmal in der schwersten Krise der Bundesrepublik
Deutschlands konnten die Koalitionäre zweifelsfrei glaubhaft
machen, dass ihre Entscheidungen mehr von den Notwendigkeiten der Krise
geprägt seien, als von Partei- und Wahltaktik. Ebenfalls nicht
erkennbar scheint, ob die Regierung die Komplexität und Ursachen
der Krise erfasst hat, ihre Auswirkungen konkret analysiert und welche
Wege sie zur Bewältigung der Krise zu beschreiten beabsichtigt.
Somit dürfte es kaum verwundern, wenn immer mehr Menschen
insbesondere in diesem Konjunkturprogramm eine Bankrott-Erklärung
der Regierung sehen.
Im Wesentlichen scheint das Programm neben potientiellen "Wahlgeschenken" fast
ausschließlich Maßnahmen zu enthalten, die man unter dem Dogma der
Haushaltkonsolidierung bisher nahezu sträflich unterlassen hatte,
um sie jetzt mit der Begründung der Krise scheinbar von allen
Haushaltkonsolidierungsverpflichtungen enthoben durch ungehemmte
Schuldenaufnahme geballt - und damit teurer - zu realisieren.
Möglicherweise löst aber auch genau dieses so umstrittene
Konjunkturprogramm den Knoten, der uns hindert, aktiv der Krise
entgegenzutreten und die Krise trotz aller Widrigkeiten als Chance zu
begreifen. Vielleicht bricht er endlich die sich in den letzten Monaten
breit machende Verklärung auf, der Staat, die Regierung oder die
Politik wäre Willens und in der Lage, der Krise ernsthaft etwas
entgegenzusetzen. Wenn aus der Erkenntnis heraus, dass wir uns nur
selbst helfen können, zum einen die Menschen und Firmen sich
endlich auf eine schwere und harte Krise einstellen und einrichten, zum
Anderen der alte "Aufbaugeist" der Menschen in unserem Land neu
erwacht, wenn wir uns daran erinnern, dass wir uns gegenseitig helfen
und alle mit anpacken müssen, wenn wir uns in die Entscheidungen
aktiv einmischen und die Verantwortlichen für diese Krise endlich
auch in die Pflicht nehmen, vielleicht wäre das ein erster
wirksamer Schritt, der Krise entgegen zu treten. Ein Grund zur Hoffnung
wäre es allemal.
Anhang:
Knebelverträge:
Teilweise gingen Autohändler
Verträge mit Autoherstellern ein, worin sowohl die
regelmäßige Abnahme einer bestimmten Anzahl von Fahrzeugen
festgeschrieben war, als auch der Spielraum für die
Verkaufspreise. Um die wegen ihres Preises zum Ladenhüter
mutierenden Fahrzeuge dennoch verkaufen zu können, wurden Neuwagen
mit einigen Tricks und unter großen Verlusten für den
Händler zu Jahreswagen umfunktioniert. Dies führte einige
Händler letztlich in den Ruin, sicherte aber den Autoherstellern
ihren Absatz.
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