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Neues aus dem
Chemnitzer Stadtrat - Sitzung vom 21.01.2009
von
Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges
Journal aus Chemnitz! | 21.01.2009
Entschärfte Polizeiverordnung nach einer
Diskussion als Wechselbad von Humor, Sachdiskussion und
rechtspopulistischen Trauerspiel - öffentliche und
nichtöffentliche Wahlvorgänge bei Sachkundigen Einwohnern -
Ehrung von Stefan Heym, einem Sohn unserer Stadt - Durchwinken der
Schulnetzplanungs-Fortschreibungen für
Mittelschulen und Gymnasien
Informationen
der Oberbürgermeisterin
In ihrem
ersten Punkt sprach Frau Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig
(46/SPD) über den
derzeitigen Stand der Umsetzung des Konjunkturprogramms II und
die Schlussfolgerungen für die Stadt
Chemnitz. Kurz zusammengefasst könnte man sagen, die Verhandlungen
laufen noch und es gibt letztlich bisher kaum etwas konkret Greifbares
für die Kommunen. Für heute wurde seitens des Bundes der erste Gesetzesentwurf mit
Eckpunkten
für die Länder angekündigt. Weitere Entwürfe sollen
bis
Ende der Woche folgen. Festzustehen scheint, dass das
Konjunkturprogramm in Sachsen ca. 800 Millionen Euro betragen wird. Ca.
600 Millionen Euro davon wird der
Bund zur Verfügung stellen. Die
übrigen 200 Millionen Euro sollen das Land und die Kommunen
aufbringen. Ebenfalls als sicher gilt, das ca. 65% der Mittel in die
Bildung fließen sollen, 35% in Straßen und Infrastruktur.
Auch
wenn noch fast alles Übrige unklar ist, habe die Stadt doch noch
Wünsche. So hofft man auf das schnelle und unkomplizierte
Durchreichen des überwiegenden Teils der Mittel direkt an die
Kommunen und auf eine Begrenzung des kommunalen Eigenanteils auf max.
10%
Eigenbeteiligung. Andernfalls wird die Gefahr gesehen, dass die Mittel
teilweise gar nicht voll abgerufen werden können. Die Liste mit
den umzusetzenden Objekten stünde in Chemnitz bereits soweit fest.
Darüber hinaus möchte Frau Ludwig die Kammern in die
Vorberatungen vor der Entscheidungsfindung im Stadtrat einbeziehen, um abzusichern,
dass möglichst der überwiegende Anteil der investierten
Gelder auch bei den Firmen der
Region ankommt.
In ihren weiteren Ausführungen referierte Frau
Ludwig über die Vorbereitung des Jubiläums "20
Jahre friedliche Revolution". Hierzu wurde im letzten Jahr ein
Beirat gegründet, welchem u.a. der ehemalige
Oberbürgermeister von Chemnitz Peter Seifert, Bürgerrechtler
und Aktive der ersten Stunde, aber auch der letzte Bürgermeister
von Karl-Marx-Stadt Herr Langer angehören. Ein vorzumerkender
Termin sei der 07.
Oktober 2009, an welchem mit den verschiedensten Veranstaltungen auf
die Ereignisse vor 20 Jahren aufmerksam gemacht werden soll. Neben
einer
Ausstellung zu Protesten, Zeitzeugenvorträgen und Publikationen
zur Wende in Chemnitz ist die Schaltung eines diesbezüglichen
Internetauftrittes geplant. Ziel der Begehung des Jubiläums sei
die Forcierung der inhaltlichen Auseinandersetzung.
Zum Abschluss ging Frau Ludwig auf die in der vergangenen Woche
erfolgte Neugründung
des "Regionalkonvent Chemnitz" ein. Zum Vorsitzenden wurde
Landrat Lenk (Vogtlandkreis) gewählt. Ziel des Konvents sei es,
gemeinsame Ziele gegenüber dem Bund besser vertreten zu
können. Des Weiteren würde über eine Zusammenarbeit im
Bildungsbereich gesprochen. Darüber hinaus habe man sich mit einem
Brief an Bundesverkehrsminister Tiefensee gewendet, um
Infrastrukturmaßnahmen - wie die A72 und die
Sachsen-Franken-Magistrale - voran zu bringen. Der Regionalkonvent soll
einen Webauftritt erhalten, um
Dritten die Schönheuten der gemeinsamen Kulturlandschaft
näher zu bringen.
Fraktionserklärungen
aus aktuellem Anlass
Herr
Hubert Gintschel (59/Vorsitzender der Fraktion Die Linken)
äußerte sich zum Konjunkturprogramm. Er kritisierte
zunächst die
Beteiligung des Stadtrats bei der Aufstellung des
Schulhaussanierungsprogrammes. Gleichzeitig verwies er darauf,
dass in der Dezembersitzung 2009 seitens der Verwaltung dem
Stadtrat versprochen wurde, selbiges Schulhaussanierungsprogramm in der
Januarsitzung vorzulegen. Er wies darauf hin, dass das Schulhaussanierungsprogramm
nicht durch die eher kurzfristigen Maßnahmen des
Konjunkturprogramms ersetzt werden darf, da es auf Langfristigkeit ausgelegt
sein und Festlegungen enthalten soll, wie der Reparatur-, Sanierungs-
und Investitionsrückstau an Schulen generell vollständig
zurück gebaut
werden
kann.
Herr Volkmar Zschocke (39/Vorsitzender der Fraktion B90/Die
Grünen)
knüpfte an die Schlußausführungen von Herrn Gintschel
an, in welchen dieser die öffentliche Personaldiskussion um Herrn
Andreas Rasemann
(Technischer Vorstand der CVAG) als "Postengescharrere auf dem
Marktplatz"
(sinngemäß) heftig kritisierte. Die CVAG habe es nach der
Wende geschafft - so Herr Zschocke - über lange Zeiträume die
Fahrgastzahlen auf relativ hohem Niveau zu stabilisieren. 2008 jedoch
kam ein massiver Knick, wohl nicht zuletzt wegen der grundsätzlich
veränderten Linienbezeichnung und -führung. Fast 1
Millionen weniger Fahrgäste! Er äußerte deshalb den
Wunsch nach einer Qualitätsoffensive für die CVAG und meinte
damit u.a. die Verkürzung von Taktzeiten,
Linienwiedereröffnungen, geringere Fahrpreise und eine Aufstockung
der städtischen
Zuschüsse.
Herr Axel Brückom (37/Vorsitzender
der Fraktion
SPD) forderte für
die Diskussion um die Mittel des Konjunkturprogramms eine höhere
Flexibilität bei den
Deckungsvorschlägen seitens des Finanzdezernates. Die Forderung hinterlegte
er mit einem
kritischen Rückblick auf eine eher abwehrende Haltung
des Finanzbürgermeisters zu Vorschlägen für die
Eigenmittelbereitstellung bei der Aufstellung des Haushalts. Gleichzeitig regte Herr
Brückom die Anhebung
der Wertgrenzen für vom Stadtrat zu genehmigende Leistungen an.
Die haushalttechnische Genehmigung könnte dabei
möglicherweise
über einen Grundsatzbeschluss und nachträgliche
Sachstandsberichte erfolgen.
Berufung
von Sachkundigen Einwohnern - unterschiedlicher geht es bald nicht mehr
In
Kürze stehen wieder Kommunalwahlen in Sachsen an. Mit der Neuwahl
des Stadtrates werden auch seine Ausschüsse komplett neu besetzt.
Obwohl diese bis zu ihrer kompletten Neubesetzung voraussichtlich im
Schnitt
nur noch drei bis vier mal tagen werden und die wesentlichen
Beschlüsse dieser Legislaturperiode bereits gelaufen sein
dürften, standen für zwei Ausschüsse Neuberufungen von
Sachkundigen Einwohnern auf der Tagesordnung des Stadtrates.
Mit Beschluss B-009/2009 wurden zwei Sachkundige Einwohner aus dem
Jugendhilfeausschuss abberufen und zwei andere Bürger von Chemnitz
zu Sachkundigen Einwohnern berufen. Offener Ausschuss - offene
Abstimmung - der Vorgang dauerte keine drei Minuten. Unmittelbar darauf
ging es mit dem Beschluss B-010/2009 wieder um eine Berufung eines
Sachkundigen Einwohners.
"Es wurde sich darauf geeinigt, dass auf die Vorstellung des Kandidaten
verzichtet werden kann. Wir brauchen jetzt eine Wahlkommission. ...."
(sinngemäße Wiedergabe).
Überraschte Blicke auf der Tribüne bei diesen Worten der
Oberbürgermeisterin, hatten doch die Meisten wohl einen analogen
Ablauf erwartet, wie beim vorhergehenden Beschluss. Offensichtlich war
man aber dem
Wunsch wenigstens eines/r Stadtrates/Stadträtin - welche/r bereits
im Vorfeld der Sitzung eine geheime Wahl beantragt hatte(n) - gefolgt.
Nach zwei geheimen Wahlgängen war klar, der Personalvorschlag des Kreiselternrates
Chemnitz fand wieder keine Mehrheit im Stadtrat.
Das Abstimmungsergebnis schien für die Elternvertreter wenig
überraschend zu sein, waren sie doch schon nach der
Stadtratssitzung vom Oktober 2008 der Meinung, dass dieser
Vorstoß von
Herrn Bürgermeister Berthold Brehm (57/CDU) möglicherweise nur dazu
gedient haben
könnte, den Beschlussantrag der SPD zu einer besseren Beteiligung
der
Elternvertretung in
der
Oktobersitzung abzuwehren
und
er nie ernsthaft auf eine Umsetzung des Mandats ausgelegt gewesen
wäre. Die
ursprünglich vom Bürgermeister ausgerechnet zu diesem
Beschluss an den Tag
gelegte ungewohnte Dringlichkeit und Informationsfreude gegenüber
dem Elternrat bis kurz vor die Oktobersitzung sowie die dann folgende
kommentarlose Verschiebung der ursprünglich bereits für
November 2008 avisierten
Abstimmung über den Sachkundigen Einwohner um zwei Monate schienen
diese Vermutungen eher zu bestätigen als zu entkräften.
Der Entscheidung des Stadtrates - so obskur sie anmuten mag - hat
durchaus positive Potentiale. Jemand, der in einem Ausschuss
unerwünscht zu sein scheint, dürfte wahrscheinlich auch
für seine Argumente wenig offene Ohren finden, insbesondere dann,
wenn die Interessenlagen nicht immer unbedingt identisch sind. Insofern
wäre
auch ein Wahlerfolg dann möglicherweise nur eine Personalie
gewesen, nicht aber die Chance zu einer Mitwirkung.
Gleichzeitig hat
das Zuwerfen dieser Tür aber eine andere Tür entriegelt. Sie
entzog dem
CDU-Einwand gegen den Beschlussantrag der SPD von der
Oktobersitzung 2008 zur generell besseren Beteiligung des
Kreiselternrates das Argument und damit die bisherige Grundlage
für die Ablehnung des Beschlussantrages. Nun bleibt
abzuwarten, ob die SPD diesen Vorschlag erneut einbringt und ob die CDU
und Die Linken diesmal der Vorlage folgen werden. Der Kreiselternrat
würde dies sehr begrüßen, zumal das Gremium der im
SPD-Antrag formulierten Beteiligung wesentlich mehr Bedeutung zumisst,
als der Schulausschuss-Personalie.
Gründung
der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft und Mitgliedschaft der
Stadt Chemnitz
Die
Beschlussfassung ging - abgesehen von einer regelrechten politischen
Hasstyrade
eines Vertreters der Fraktion REP/DSU
- relativ reibungslos ab. Mit
wenigen Gegenstimmen wurde der Beschluss gefasst und damit der Weg
freigemacht, einen bedeutenden - wenn auch wegen der ihm nachgesagten
Nähe zum Marxismus nicht ganz unumstrittenen - Chemnitzer
Schriftsteller und sein umfangreiches Lebenswerk entsprechend
angemessen zu
würdigen.
Stefan
Heym, alias Helmut Flieg, wurde am 10. April 1913 in Chemnitz als Sohn eines
jüdischen Kaufmanns geboren. Wegen dem Verfassen eines antimilitaristischen Gedichts
musste er das von ihm besuchte Chemnitzer Gymnasiums 1931 verlassen und
machte sein Abitur deshalb 1932 in Berlin. Er schrieb in der Folge
erste Beiträge für verschiedene Berliner Zeitschriften, unter
anderem für Ossietzkys "Weltbühne" und begann ebenfalls noch
1932 ein Studium der Philosophie, Germanistik und
Zeitungswissenschaften in Berlin. Aus Rücksicht auf seine Familie
nahm er 1933 das Pseudonym Stefan Heym an und flieht nach Prag, wo er
als Journalist für deutschsprachige und tschechoslowakische
Zeitungen arbeitet. 1935 siedelt Stefan Heym in die USA über und
beendet seine Studien 1936 an der Universität von Chicago mit
einer Magisterarbeit über Heinrich Heine.
Aus Protest gegen den Koreakrieg gab Stefan Heym 1951 der US-Regierung
alle militärischen Auszeichnungen zurück und verließ
die USA. Er ging zunächst über Warschau nach Prag. 1952
siedelte er mit seiner amerikanischen Frau schließlich nach
Ost-Berlin über und begann als "kritischer Marxist" die
Auseinandersetzung mit dem DDR-Regime zu suchen, das nach seiner
Auffassung "den Sozialismus zu einem Zerrbild der Idee entstellt".
Stefan Heym sah sich nie als Gegner, sondern als Kritiker des Regimes,
und trat keiner Partei bei. Am 16. Dezember 2001 starb Stefan Heym in Israel.
Änderung
der Polizeiverordnung der Stadt Chemnitz
Aufregung
kam im Stadtrat bei der Beschlussvorlage B-033/2009 auf, welche die Neufassung der städtischen Polizeiverordnung
zum Ziel hatte. Bei
dem "nicht ganz
kurzen"
Eingangsstatement des Rechtsbürgermeister Miko Runkel
(49/parteilos) fühlte man sich in weiten Strecken eher an eine
Büttenrede erinnert, als
einen trockenen Rechtsvortrag über eine Polizeiverordnung. Nicht
nur, dass er die Rechtsgrundlagen unserer neuen Chemnitzer
Polizeiverordnung bis fast ins "Mittelalter" zur "Augsburger
Halsgerichtsordnung" zurückverfolgte, auch viele Beispiele
für die neuen Regelungen hatten schon eine hohe kabarettistische
Bühnenreife und sorgten mehrfach für angeregtes Schmunzeln.
So sei es nunmehr entsprechend Neufassung des §7 Kindern und
Jugendlichen gestattet, Bolz- und Spielplätze nur in der Zeit von
8.oo bis 22.oo Uhr zweckgemäß zu nutzen. Ein Verbot der
nichtzweckgemäßen Nutzung darüber hinaus gäbe es
allerdings
nicht, nur eben der zweckgemäßen Nutzung. Bizarr wurde es,
als er
verdeutlichte, dass die Nutzung einer Wippe nach 22.oo Uhr als Bank
zulässig sei, solange man stillsitzen und nicht wippen würde.
Relativ unstrittig schien der Punkt mit dem Ableitungsverbot der vom
Autowaschen verschmutzen Abwässer in das öffentliche Netz zu
sein. Ganz anders sah es da schon bei dem sich mit der Tierhaltung
beschäftigenden §4 aus. Der Leinenzwang in ganz Chemnitz - bisher war er nur in
Fußgängerzonen vorgeschrieben - stößt naturgemäß auf
ein
gänzlich geteiltes Echo. Dieser Punkt war auch einer der wenigen,
welche letztendlich in der mit Änderungen beschlossen
Neufassung
verblieben. Nun müssen Hundebesitzer mit Ausnahme der Hundewiesen
ihre Vierbeiner immer an der Leine führen. Welchen Sinn diese
nicht differenzierte Fixierung in dem ländlichen Bereich machen
soll, werden sich insbesondere die Hundehalter fragen, welche bisher
die Felder und Wiesen für den Freilauf nutzten. Man darf sicher
darauf gespannt sein, wie viel Polizisten uns zukünftig auch im
Feld und auf den Wiesen regelmäßig über den Weg laufen
werden. Eine Verordnung macht ja nur Sinn, wenn die Regelungen auch
kontrolliert und Verstöße geahndet werden.
Die Einführung der Mittagsruhe sei zwar umstritten, aber nicht
unüblich. Als Beispiel hierfür brachte Herr Runkel mit der
Benennung einer "verschlafenen" Kleinstadt eher eine Begründung,
warum diese Regelung in einer Industriestadt wie Chemnitz nicht
umsetzbar sein dürfte, als dass er hiermit die Stadträte voll
überzeugen konnte.
So kam dann auch der erste Vorstoß von Herrn Tino Fritzsche
(47/CDU) auf das Thema
Mittagsruhe zu sprechen, welches die
CDU-Fraktion ablehnen würde, sonst aber der Neufassung zustimmen
könne. Gegen die Mittagsruhe spreche der Charakter als
industrieelle Großstadt sowie, dass es bereits ausreichend
Regelungen
hierfür gebe.
Herr Jörg Hopperdietzel (44/Die
Linken) prägte dann den
Begriff des verwirrten "Normadressaten", welcher vor allem vor allzu
unklaren Forderungen geschützt werden müsse. Er sprach sich
für eine Streichung der Neuregelungen in § 7 und 13 aus.
Außerdem empfahl er dringendst, statt allein auf Verbote und
Polizei lieber vor allem auf Sozialarbeit und das Vorhalten von Angeboten
für
Jugendliche oder andere Betroffene zu setzen. Die Problematik der
"ZENTI-Kids" habe bewiesen, dass nur dieser Weg dauerhaft etwas bewegen
würde.
Martin Kohlmann (31/REP+DSU)
brachte zwar in seiner Rede auch
Punkte, welche allein betrachtet, durchaus hätten Sinn machen
können, wie z.B. die Frage der ländlichen Bereiche und dem
auch dort geltenden Leinenzwang. Allein die Wortwahl und ideologische
Durchsetzung konnte einem schon Angst machen und so war man hin und
her gerissen, weil man nicht wusste, ob man lachen (das konnte doch nur
ein Witz sein, wenn auch ein schlechter), weinen (schade um einen so
jungen, intelligenten Menschen mit derartiger Verblendung) der gar
Angst
(hoffentlich spielt er nie eine größere Rolle in der Politik
als derzeit) sollte. Etwas makaber wurde es, als ausgerechnet er sich
zum
glühendsten Sympatisanten der Neufassung machte und weitere
Verschärfungen für wünschenswert erklärte.
Vielen aus den Herzen sprach deshalb Frau Doris Müller (71/SPD),
als sie
sagte, sie möchte nie wieder so etwas erleben, wie heute bei
dieser
Diskussion.
Nach einer Auszeit wurde neben mehreren Änderungsanträgen
über den Beschlussantrag abgestimmt. Viel von der Neufassung
blieb letztlich nicht übrig. Die Stadträte zogen dem seit
Wochen heftig
in der öffentlichen Diskussion stehenden Papier fast alle
Zähne.
So wird es zukünftig nun doch weder Schließzeiten für
Spielplätze noch ein Treffpunktverbot an öffentlichen Orten
geben. Auch die Mittagsruhe an Werktagen wird nicht in der Verordnung
stehen.
Teilschulnetzplanungen
- Der Bitte des Kreiselternrates wurde nicht entsprochen
Mit den
Vorlagen B-002/2009 und B-003/2009 wurde den Stadträten die
Fortschreibungen der Schulnetzplanungen für Mittelschulen und
Gymnasien vorgelegt. Der Kreiselternrat Chemnitz hatte im Vorfeld darum
gebeten, die Unterlagen zur Überarbeitung an die Verwaltung
zurück zu überweisen. Diese Bitte wurde nicht statt gegeben.
Darüber hinaus wurde seitens der Elternvertretung kritisiert,
wieder zu spät informiert worden zu sein.
Noch in der montäglichen Sitzung der Fraktionsvorsitzenden
bestritt Schulbürgermeister Berthold Brehm (nach uns vorliegenden
unbestätigten Aussagen) dies energisch. So wäre die Zusendung entgegen der
Aussage des Kreiselternrates bereits Anfang Dezember 2008 erfolgt.
Zwischenzeitlich musste
er, u.a. auf Nachfrage des Stadtrates Günter Meyer
(64/Perspektive)
einräumen, dass dem doch nicht so gewesen sei,
das Schreiben auf den 11.12.2008 datiert und vermutlich
tatsächlich erst am 16.12.2008 beim Kreiselternrat eingegangen
sei.
In der Stadtratssitzung ging Bürgermeister Brehm auf diese
Revidierung jedoch nicht ein, sondern setzte sich mit dem von Herrn
Meyer geäußerten Wunsch einer zukünftig besseren
Einbindung des Kreiselternrates auseinander: "... Was ich ihnen
aber - ich habe jetzt auch zur
Kenntnis genommen, dass der Kreiselternrat die Mitgliederversammlung
auf den 05.02. gelegt hat. Ein Schelm, der Böses da dabei denkt.
Aber objektive Diskussionen - weil der Schulausschuss am 04.02. tagt
..." Und weiter führte er aus "... Äh, ich bewundere sie als
Stadträte, weil sie sich mit 13 Tagen zufrieden geben, wo sie die
Vorlagen bekommen, die Beiräte genauso. Aber bitteschön,
man
kann das natürlich auch auch nach diesen Gremien ausrichten. ..."
Abgesehen
von einer dann folgenden "Lehrstunde" rechtspopulistischer
Bildungsideologie im am Thema weitgehend vorbei zugehen scheinenden
Redebeitrag von Frau Cornelia Horn (46/REP+DSU)
wurden beide
Beschlussvorlagen ohne nennenswerte Diskussion vom Stadtrat
durchgewinkt.
Es bleibt zu hoffen, dass die vom Kreiselternrat Chemnitz zur
Begründung und Hinterlegung der Beschlussvorlagen angemeldeten
aber unberücksichtigt gebliebenen Bedenken und
Nachbesserungsbitten nicht die befürchtete Wirkung im Rahmen der
Genehmigung durch die Schulaufsicht entfalten werden. Berechtigter
Grund zur Sorge dürfte
jedoch bestehen.
Anhang:
Personalvorschlag
des Kreiselternrates Chemnitz
Herr Andreas Peter Müller ist seit 12 Jahren im Vorstand des
Kreiselternrates Chemnitz, davon 9 Jahre als stellv. Vorsitzender und
seit 2006 Vorsitzender des Gremiums. Insbesondere zusammen mit Thomas
Fenner, Uwe Stelzmann und Jonas Lange prägte er ab 1999 ein neues,
deutlich selbstbewussteres und auf Kompetenz und Elterninteressen
setzendes, aber streckenweise auch aggressiveres Erscheinungsbild und
Auftreten des Kreiselternrates, was sich u.a. in der Mitinitiierung und
Mitorganisation aller 3 Bürgerbegehren gegen
Schulschließungen in Chemnitz sowie der Schulnetzplanung 2002
bzw. dem Verfassen zahlreicher Beschwerden widerspiegelte. Ebenso war
er einer der Initiatoren des Volksantrages "Zukunft braucht Schule".
Über seine Person wurde in der Januarsitzung zum 4. Mal
innerhalb von 7 Jahren abgestimmt, jeweils jedes Mal in zwei geheimen
Wahlgängen.
Nach dem Kompromiss zum Bürgerbegehren wirkte er von 2002 bis
2004 im Schulausschuss als Sachkundiger Einwohner bei dem Abgleich
zwischen den beiden Schulnetzplanungen von Kreiselternrat und Stadtrat
mit. Ende 2003 pausierte
er zeitweilig aus Protest darüber, dass
im Schulausschuss seiner Meinung nach Bestrebungen zu erkennen waren,
den Kompromiss
zum Schulnetz in Frage zu stellen.
In Gremien, wie u.a. Arbeitskreis "Schule-Wirtschaft",
Arbeitskreis "Fachkräftebedarf" der
Oberbürgermeisterin, Arbeitskreis "Girls-Day", Runder Tisch
"Kind & Co" sowie dem AD(H)S-Netz Chemnitz arbeitet er relativ eng
mit den unterschiedlichsten Institutionen der Stadt Chemnitz bei
Sachthemen zusammen.
Als Verfasser der Entwürfe für zahlreiche Dienst-, Rechts-
und Fachaufsichtsbeschwerden sowie z.T. sehr kritischer Stellungnahmen
zu Beschlussvorlagen vertrat er zwar konsequent die
Elterninteressen, machte es allerdings andererseits hiermit Teilen der
Verwaltung und des Stadtrates auch nicht einfach, Herrn Müller als
Wunschpartner für Beratungen anzusehen.
Ursprünglich
vorgesehene Neuerungen in Polizeiverordnung waren u.a.:

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Die zweckgemäße Nutzung öffentlicher Spiel-
und Bolzplätze sollte nur noch in der Zeit von 8 bis 22 Uhr
gestattet sein; |
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Auch an Werktagen
sollte eine Mittagsruhe eingeführt und insbesondere Haus- und
Gartenarbeiten, die "die Ruhe anderer unzumutbar
stören", zwischen 13 bis 15 Uhr nicht mehr durchgeführt
werden dürfen |
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Personen solltn nicht mehr "wiederkehrend und
regelmäßig" in der Öffentlichkeit herumlungern und
Alkohol trinken dürfen. |
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Leinenzwang im Gesamten Stadtgebiet, außer in speziell
für Hunde ausgewiesenen Flächen
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Ableitungsverbot der vom
Autowaschen verschmutzen Abwässer von privaten Flächen in das
öffentliche Netz
bzw. auf öffentliche Flächen
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Fristen
bei Stadtrat und Kreiselternrat
Im
Stadtrat werden die Beschlussvorlagen in Ausschüssen von den
in die Ausschüsse Delegierten - zum Teil sehr langfristig -
vorberaten. Wichtige Beschlussvorlagen werden darüber hinaus in
den montäglichen Fraktionssitzungen besprochen. Somit sind den
meisten Stadträten die Beschlussvorlagen oder zumindest deren
Intentionen i.d.R. weitaus früher bekannt, als 13 Tage vor der
Stadtratssitzung. Darüber hinaus liegen die Vorlagen zu diesem
Zeitpunkt dann jedem Mitglied des Stadtrates auch in gedruckter Form
vor.
Der Kreiselternrat Chemnitz erhält die Beschlussvorlagen 1-fach.
Die Kommunizierung, Vervielfältigung und Verteilung von Unterlagen
in Größenordnungen von 35 bis 147 Seiten, wie bei den 3
Teilschulnetzplanungen, für ca. 100 Schulsprecher ist nicht nur
ein kapazitiver und finanzieller Kraftakt für das ehrenamtlich
arbeitende Gremium, sondern benötigt in erster Linie Zeit. Hinzu
kommt, dass der Kreiselternrat laut Satzung ein basisdemokratisches
Gremium ist, wo Vorsitzender und Vorstand nur repräsentative und
vorbereitende Funktion haben, die Beschlüsse aber durch die
Mitgliederversammlung getroffen werden müssen.
Mitgliederversammlungen wiederum müssen vorbereitet und einberufen
werden. Auch dies benötigt Zeit (Ladungsfristen).
Der Vergleich von Herrn Bürgermeister Brehm hinkt folglich
insofern, dass er eigentlich den Zeitpunkt der Vorlage der
Beschlussvorlagen bei der Dienstberatung der Oberbürgermeisterin
(DOB-Vorlage) mit dem Zeitpunkt der Zusendung an den Vorsitzenden des
Kreiselternrats hätte vergleichen müssen. Ab diesem Zeitpunkt
laufen ähnliche Vorgänge in Stadtrat und Kreiselternrat ab,
was auch ihrer beider Natur als gesetzlich fixierte und demokratisch
gewählten Gremien entspricht.
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