
Stellung der Elternräte zum
Scheitern der Verhandlungen
zum Volksantrag "Zukunft braucht Schule" und zur Durchführung
eines Volksbegehrens unter gleichem Namen
von Andreas Peter Müller | (c)
Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 08.01.2003
Der Volksantrag erreichte die
notwendigen Stimmen, dennoch betrachten die gewählten
Elternvertretungen den Antrag prinzipiell als gescheitert. Der Grund
hierfür wird in einem Entzug der Handlungsfreiheit der
Elternräte und einer Vereinahmung durch Parteien gesehen.
Zunächst sah alles ganz
positv aus. Die Unterschriften für den Volksantrag waren sehr
schnell beschafft. Die CDU-Landtagsfraktion, vertreten insbesondere
durch den schulpolitischen Sprecher, Herrn Colditz, zeigte sich
verhandlungsbereit. Die Gespräche zwischen der "Volksinitiative"
und der CDU-Landtagsfraktion wurden zeitnah aufgenommen. Ein
Kompromiß schien gefunden.
Als die Verhandlungen zum Volksantrag dann aber doch überraschend
scheiterten, nachdem der Kompromiß so greifbar nahe schien, wurde
seitens der "Volksinitiative" ein Volksbegehren gestartet.
Die gewählten Elternvertreter der Kreiselternräte und des
Landeselternrat waren von dieser Entwicklung keineswegs begeistert.
Insbesondere die sich bereits während des Volksantrages und am
Ende der Verhandlungen abzeichnende "Verselbstständigung des
Volksbegehrens" und dessen teilweise Loslösung von den
Elterninteressen zugunsten der Aufnahme von anders orientierten
Interessenlagen Dritter (Lehrergewerkschaft, Parteien ....) wurde mit
Sorge beobachtet.
Hinzu kam die Überpräsenz nichtautorisierter selbsternannter
"Sprecher für das Volksbegehren" in den Medien, welche die
wirklichen Vertreter, wie Herrn Uwe Stelzmann, teilweise
vollständig in den Hintergrund treten liesen. Der
ursprünglich mit als Sprecher für den Volksantrag
gewählte Chemnitzer Schülersprecher war bereits im Vorfeld
aus nicht nachvollziehbaren Gründen durch eine andere Person
ersetzt worden.
Dies führte letztlich dazu, daß die Elternräte sich
zwar geschlossen moralisch hinter das Volksbegehren stellten, es aber
nur von Teilen noch wirklich aktiv unterstützt wurde.
Im Kreiselternrat Chemnitz dominierte die Auffassung, Verhandlungen
sind besser als irgendwann ein Sieg im Volksbegehren, wenn es zu diesem
Zeitpunkt die zur Erhaltung vorgesehenen Schulen gar nicht mehr gibt.
Insbesondere die Herren Thomas Fenner und Andreas Müller vertraten
dies auch in der Öffenlichkeit konsequent.
Auf der Regionalkonferenz am 12.03.2003 in Chemnitz wies Herr
Müller, auf Anfrage der PDS-Landtagsabgeordneten Angelika
Schneider betreffs der Haltung des Kreiselternrat Chemnitz, mit
Nachdruck darauf hin, daß die Rettung eines angemessen Teils der
Schulen durch einen Verhandlungskompromiß aus Sicht der
gewählten Elternvertreter sinnvoller ist, als ein "Sieg des
Volksbegehrens auf verbranntem Boden analog der Eroberung des
brennenden Moskaus durch Napoleon".
Grundtenor war hierbei immer wieder, daß einmal
geschlossene Schulen auch durch einen erfolgreichen Abschluß von
Volksbegehren und Volksentscheid nicht wieder geöffnet werden
können. Deshalb kam es darauf an, möglichst viele Schulen
genau vor dieser Schließung zu bewahren und sei es durch einen
sicher nicht alle glücklich machenden Kompromiß! Das mit
einem Sieg von Volksbegehren und Volksentscheid verbundene politische
Signal allein, ohne den Erhalt der Schulen, ist den gewälten
Elternvertretern zu wenig gewesen!
Die Hauptaktivitäten der gewählten Elternvertreter
insbesondere in der Stadt Chemnitz und im Regionalschulamtsbereich
Chemnitz lag deshalb i.d.F. in dem Bemühen um einen
Kompromiß zwischen dem Volksbehehren "Zukunft braucht Schule" und
der CDU-Gesetzesinitiative "Das bessere Schulkonzept", welcher
möglichst viele Schließungen verhindern hilft und eine
dauerhaft stabile Situation für die sächsische Schulstruktur
absichert.
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