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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Mittwoch, 08.01.2003

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Der steinige Weg in den Schulausschuss

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 08.01.2003


Kreiselternrat brauchte mehr als einen Anlauf um mit einem Sachkundigen Einwohner im Schulausschuss vertreten zu sein.
Mitten in einer Zeit beeindruckender Aktionen des Chemnitzer Kreiselternrates zum Erhalt eines kinderfreundlichen Schulnetzes mußte der Kreiselternrat Chemnitz einen Personalvorschlag für die Funktion eines Sachkundigen Einwohners im Schulausschuß des Stadtrat Chemnitz erarbeiten. Frau Deponte, welche bis dato für den Kreiselternrat im Schulausschuss saß, hatte ihre Tätigkeit aus beruflichen Gründen beenden müssen.

Ca. 400 Eltern- und Schülersprecher trafen sich deshalb im Berufsschulzentrum am Schloßteich um (neben anderen Entscheidungen) Andreas Müller als Sachkundigen Einwohner für den Schulausschuss der Stadt Chemnitz zu nominieren. In dem völlig überfüllten Saal gab es bei einer Gegenstimme hierfür ein klares Votum.

Herrn Müller nur kennend als einen der Initiatoren des Bürgerbegehren "Stoppt Schulschließungen" und Verfasser der Rechts-, Fach- und Dienstaufsichtsbeschwerden im Zusammenhang mit der Verfahrensweise bei der Schließungswelle 2000, war es bei dem Großteil der Chemnitzer Sadträte mehr als ungewollt, ihn als "Sachkundigen Einwohner" gerade im nichtöffentlichen Schulausschuß sitzen zu haben. Er wurde deshalb einer, für die Chemnitzer Stadtratsgeschichte einmaligen, teilweise sehr peinlichen Befragung unterzogen und anschließend einer geheimen Abstimmung unterworfen. Nach zwei Abstimmungsrunden war die Ablehnung des Vorschlages des Kreiselternrat Chemnitz, Herrn Müller in den Ausschuß zu entsenden, perfekt.

Hatte der Stadtrat darauf gehofft, mit dieser Ablehnung einen neuen Personalvorschlag des Kreiselternrates zu erhalten, so war dies ein Irrglaube. Die Entscheidung bewirkte einen zusätzlichen Schulterschluß bei den Chemnitzer Eltern und verschärfte den Konflikt zwischen Stadtrat - und hier insbesondere dem Schulausschuss - und der Chemnitzer Elternschaft.

Erst Monate später, nachdem sich infolge der massiven Unterstützung der Chemnitzer Bevölkerung für das anliegen der Eltern
das Verhältnis von Stadtrat und Chemnitzer Elternschaft spürbar entspannt hatte, gab ein Großteil der Stadträte Ihren Widerstand gegen Herrn Müller auf. Dennoch waren auch diesmal wieder zwei geheime Wahlgänge möglich, um die erforderliche Mehrheit hierfür zu erzielen.



Freie Presse
(a.m. / 08.01.2003)


Ratsherren booten
Elternvertreter aus


Eklat um den Bürgersessel im Schulausschuss



Normalerweise gehören sogenannte "Berufungen von sachkundigen Einwohnern", die die Ausschüsse des Stadtrates beraten sollen, zu den leichtesten Übungen der Ratsherren. Doch gestern uferte die Wahl eines Bürgers in den Schulausschuss zum fast schon peinlichen Stimmengezerre aus. Andreas Müller, Mitglied im Kreiselternrat (das Gremium kämpft mit einem Bürgerbegehren gegen die Schulpolitik der Stadt), flog - wenn auch knapp (24 : 29) - in geheimer Wahl durch.
Empörung beim Elternrat. Vorsitzender Thomas Fenner: "Das kann doch nicht wahr sein: Der Kreiselternrat ist ein demokratisch gewähltes Gremium, welches einstimmig Herrn Müller als Vertreter für den Schulausschuss wählte. Und dann wird er von Leuten abgelehnt, die sonst das Wort Demokratie ständig im Munde führen." Damit kritisierte Fenner vor allem die SPD-Fraktion - sowohl Fraktionschef Detlef Müller
als auch Stadträtin Petra Steinbach torpedierten Müller bei der Befragung mit bohrenden Fragen: Wieso er sich für Schulen einsetze, wie er das zeitlich schaffe und wie er den Stellenwert eines Schulausschusses einschätze?
Ulrich Krößin und Günter Pfeil von der Fraktion Bündnis 90/Grüne vermuten eine Art Racheakt der SPD gegen Müller und die in machen Augen so aufmüpfigen Elternvertreter: "Der Stadtrat lieferte heute ein Beispiel , wie man bürgerschaftliches Engagement verprellt. Offenbar setzt sich Müller zu kritisch mit der Schulnetzplanung der Stadt auseinander."
OB Seifert versuchte zu schlichten: "Ich hoffe trotzdem, dass es eine vernünftige Sacharbeit zwischen Elternrat und Schulausschuss gibt."  Anders sieht es Uwe Stelzmann vom Elternrat, der sich das Drama von der Tribüne ansah: "Das gleicht schon einer halben Kriegserklärung".
(JOE)

Kommentar:

In den A....


Eklat um Bürgerberufung
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Von Jan Oexner
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Das Drama fing mit SPD-Stadtrat Bachmann an: Der pochte auf geheime Wahl - obwohl mit Herrn Müller doch kein Bundeskanzler, sondern nur "nur" ein "kleiner" Bürger in einen nur mittelmäßig wichtigen Schulausschuss berufen werden sollte (wo dieser übrigens nicht einmal die Hand heben darf). Eine Rathaus-Personalie allenfalls. Oder? Pustekuchen!
Offenbar ist Müller ein zu rotes Tuch für gewisse Leute - etwa in der SPD. Die Vermutung liegt nah, dass Müller (samt seinen Mitstreitern im Kreiselternrat) mit dem Bürgerbegehren gegen Schulschließungen ein Störfaktor im Ausschuss sein könnte. Ist die Vermutung falsch, um so schlimmer. Dann wurde gestern sogar ohne Grund ein Stück ehrliches Bürgerengagement - kommt es auch manchmal etwas kantig daher - schlicht in den Allerwertesten getreten.

(Hier abgedruckt mit freundlicher Genehmigung der Autoren)
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