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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Freistag, 30.04.2004

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Warum bin ich Mitglied einer Partei?

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 30.04.2004


Eine Frage, die viele sich einmal stellen sollten, denn wenn sie sich diese Frage stellen, werden sie auch weiterdenken !
Wenn ich gefragt werde, warum ich gesellschaftlich aktiv bin, ist diese Frage bei dem Großteil der Fragesteller stets mit dem Bezug auf materielle oder sonstige private Vorteile verbunden. "Was bringt es dir in deine Tasche?" ist sinngemäß die Zielrichtung der Frage. Wenn dann die Antwort kommt "Nichts", folgt oft bestenfalls ein bedauerndes Lächeln.

Ist es so, daß ehrenamtliches Engagement nur deshalb übernommen wird, weil man davon persönliche Vorteile hat?

Auf einer Veranstaltung der Jungen Union Chemnitz habe ich dazu aufgefordert, sich damit auseinanderzusetzen, warum jeder Einzelne Mitglied der CDU oder der Jungen Union geworden ist. Dabei habe ich für mich drei denkbare Gründe genannt:

1. Man sucht Anschluß oder hat nix zu tun
Dieser Grund ist nachvollziehbar, wird aber wohl die Wenigsten wirklich dazu bewegen, gerade in eine Partei zu gehen und ehrenamtliche Arbeit zu übernehmen.

2. Man verspricht sich persönliche Vorteile davon.
Dies wird sicher eine gewisse Anzahl von Mitgliedern betreffen. Wenn diese persönlichen Vorteile dann auch wirklich mit positiven gesellschaftlichen Engagement verbunden werden und nicht statt dessen zur Sicherung der eigenen Vorteile intrigiert wird, ist diese Begründung duchaus legitim und kann für beide Seiten - das Mitglied und die Partei - nutzbringend sein.

3. Man will sich einbringen, will etwas voranbringen.
Dieser Grund ist der Wertvollste und ich bin überzeugt, er ist bei den meisten Mitgliedern von Parteien die Ursache ihres Parteieintritts. Leider tritt dieser Grund aber infolge fehlender Einbindung in die politischen Gestaltungsprozesse bei vielen zunehmend in Vergessenheit. Insbesondere diese Mitglieder werden in immer zunehmender Anzahl zu beitragszahlenden "Karteileichen", welche für politische Arbeit nicht mehr begeistert werden können...


Warum ist das so, daß sich immer mehr Mitglieder aus der aktiven politischen Arbeit verabschieden?

Ich denke die Frage ist am Beispiel von Chemnitz ganz einfach zu beantworten:


Wie kann ich etwas bewegen, wenn ich von nichts weiß und zu nichts gefragt werde, bevor es entschieden ist?

Wieviel Parteimitglieder der CDU oder SPD oder PDS in Chemnitz können von sich sagen, sie wurden vor der Beschlußfassung in die Erarbeitung der Haushaltkonsolidierungskonzepte der Stadt Chemnitz einbezogen?
Wo war die breite Diskussion in den Parteien, um den möglichst erträglichsten und vertretbaren Weg bei den tiefen Einschnitten zu finden?
Das mit der Bevölkerung kaum hierzu diskutiert ist das Eine (aus meiner Sicht politisch feige und unklug), das aber auch innerhalb der Parteien bei einem so wichtigen Thema keine inhaltliche Grundsatzdiskussion bis in die Basis geführt wurde, degradierte hunderte willige Mitglieder zu blosen Statisten.
Ähnlich verhielt es sich ja auch bei den großen Investitionsvorhaben angesichts leerer Kassen oder den Einschnitten ins Schulnetz. 

Aus meiner Sicht kann eine Partei nur dann wirklich etwas bewegen, wenn ihre Wurzeln leben. Die Krone wird schnell vertrocknen, wenn die Lebenskraft bei der Basis verlischt.
Ich bin überzeugt, nur wenn die Mitglieder in die Meinungsbildung zu Themen einbezogen werden, kann eine Parteiarbeit funtionieren. Nur wenn das Mitglied einen Sinn darin erkennt, Freizeit zu opfern um zu einer Versammlung zu gehen, eine Aktivität zu ergreifen, zu Handeln, nur dann wird es dies auch tun. Ein Mitglied, das bestenfalls im Nachhinein (nach dem die Entscheidung gefallen ist) informiert wird, verliert schnell den Wunsch zur Mitarbeit.

Es ist schwer,  immer alle in Entscheidungen einzubinden, sie zu qualifizieren, auch fachgerecht mitzudiskutieren! Aber genau das ist aus meiner Sicht der Anspruch an Führungskräfte und Funktionäre!
Entscheidungen treffen, können viele (oder glauben zumindest, dies zu können), aber die Basis hierbei einzubinden, ist nicht vielen gegeben. Wer dies aber nicht kann, ist nur bedingt für Führungsrollen geeignet!
Ein Stadtrat oder Landtagsabgeordneter, der nicht ständig, mit der Parteibasis verbunden ist, daß heißt, auf selbige zugeht, sie nach ihrer Sicht der Dinge befragt, ist i.d.R. ebenso fehl am Platz, wie ein Vorstand, der seine Mitglieder nicht für die Parteiarbeit qualifiziert und Parteitage auf blose Wahlvorgänge reduziert, statt Themen zu behandeln und inhaltliche Arbeit zu betreiben.

Wenn wir es nicht erreichen, die Mitglieder wieder in die Parteiarbeit einzubeziehen, werden die etablierten Parteien bald nur noch Namensschilder historischer Größe sein, die für das aktuelle Geschehen keine Rolle mehr spielen. Die letzte Wahl hat deutliche Zeichen diesbezüglich gesetzt!


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