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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Samstag, 07.08.2004

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Rechtschreibe-"Reform"

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 07.08.2004


Rückbesinnung oder Fortschreibung? 
Endlich!
Endlich reagieren bedeutende Kräfte der Gesellschaft nachhaltig auf eine, der aus meiner Sicht unsinnigsten "Reformen" der letzten zehn Jahre und geben ihr eine deutliche Abfuhr! Damit setzen sie ein Zeichen, daß nicht etwas, nur weil es einmal eingeführt ist, auch ewig beibehalten werden muß, unabhängig, ob dies Sinn macht oder nicht!
Als die "Rechtschreibereform" eingeführt wurde, war dies das "Wichtigste", was die deutschsprachige Bevölkerung für ihr Weiterbestehen brauchte.  Der Umbau der Sozialsysteme, die Vorbereitung Deutschlands auf die EU-Erweiterung und Globalisierung der Märkte, dies alles war "Nebensache" gegenüber einem so "wichtigen Reformprojekt"!
Millionen Menschen haben über mehrere Generationen hinweg - im Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in der finsteren Phase deutscher Geschichte sowie in der Zeit der deutschen Spaltung - die deutsche Sprache mit ihren Regeln schreiben, lesen und verstehen gelernt. Sie taten dies erfolgreich, trotz teilweise nur vier- bis achtjähriger Schulzeit und teilweise wesentlich schlechteren Lernbedingungen als heute.
Es war schon überraschend, was damals führende Sprachwissenschaftler und Politiker der deutschsprachigen Öffentlichkeit als "Große Reform" präsentierten. Nicht nur, daß die deutsche Sprache durch den Wegfall zahlreicher klarer Regeln ärmer und beliebiger wurde, daß die Masse der deutschsprachigen Menschen eher verunsichert, statt sicherer bei der Schreibweise wurden, nein, daß war nicht das Enttäuschendste an der "Reform". Das Traurigste ist, daß diese Herren und Damen offensichtlich dem deutschsprachigen Kulturraum nicht mehr die Intellegenz und Fähigkeit zutrauten, die eindeutigen Regeln der deutschen Sprache zu erlernen.
Man stelle sich einmal vor, die gleichen Wissenschaftler und Politiker, welche für diese "Rechtschreibereform" verantwortlich sind, entdecken, daß auch die Mathematik reformiert werden könnte. Dann wird nicht nur Schiffahrt ("Schifffahrt") mit drei "f" geschrieben sondern 1+2+3 ist dann nicht mehr 6 sondern "IIIIII"!
Ich persönlich bin von meiner Grundeinstellung bekennend wertkoservativ. Für mich zählen neben den christlich-traditionellen, den menschlich-sozialen und den kulturellen Werten vor allem auch die Werte der deutschen Sprache zu den erhaltenswerten Dingen in der deutschen Gesellschaft. Gerade deshalb begrüße ich die jetzt ergriffenen Initiativen und hoffe, daß diese Erfolg haben werden.
Im Übrigen könnte die Aufhebung der "Rechtschreibreform" auch Signalwirkung haben für andere, zwar durchaus nicht so unsinnige, aber dennoch nicht die gewünschten Erfolge erzielende Änderungen / Reformen / Beschlüsse. Vielleicht werden diese dann endlich nochmals auf ihre Beibehaltung geprüft. Ich denke hierbei z.B. an den Wechsel von Sommerzeit und Winterzeit.
Gleichzeitig wünsche ich mir allerdings, daß statt unsinniger, scheinbarer Vereinfachungen in der Rechtschreibung wesentlich mehr für die Befähigung und das Lernen unserer Jugend im Sinne einer permanenten Qualitätssteigerung getan wird!
Wer gut leben möchte, kann sich nicht nach unten orientieren, sondern nach oben, er darf die Starken durch Niveausenkung nicht nach unten ziehen, sondern muß den Schwachen durch Qualitätsverbesserung nach oben helfen!


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