Endlich!
Endlich reagieren bedeutende Kräfte der Gesellschaft nachhaltig
auf eine, der aus meiner Sicht unsinnigsten "Reformen" der letzten zehn
Jahre und geben ihr eine deutliche Abfuhr! Damit setzen sie ein
Zeichen, daß nicht etwas, nur weil es einmal eingeführt ist,
auch ewig beibehalten werden muß, unabhängig, ob dies Sinn
macht oder nicht!
Als die "Rechtschreibereform" eingeführt wurde, war dies das
"Wichtigste", was die deutschsprachige Bevölkerung für ihr
Weiterbestehen brauchte. Der Umbau der Sozialsysteme, die
Vorbereitung Deutschlands auf die EU-Erweiterung und Globalisierung der
Märkte, dies alles war "Nebensache" gegenüber einem so
"wichtigen Reformprojekt"!
Millionen Menschen haben über mehrere Generationen hinweg - im
Kaiserreich, in der Weimarer Republik, in der finsteren Phase deutscher
Geschichte sowie in der Zeit der deutschen Spaltung - die deutsche
Sprache mit ihren Regeln schreiben, lesen und verstehen gelernt. Sie
taten dies erfolgreich, trotz teilweise nur vier- bis achtjähriger
Schulzeit und teilweise wesentlich schlechteren Lernbedingungen als
heute.
Es war schon überraschend, was damals führende
Sprachwissenschaftler und Politiker der deutschsprachigen
Öffentlichkeit als "Große Reform" präsentierten. Nicht
nur, daß die deutsche Sprache durch den Wegfall zahlreicher
klarer Regeln ärmer und beliebiger wurde, daß die Masse der
deutschsprachigen Menschen eher verunsichert, statt sicherer bei der
Schreibweise wurden, nein, daß war nicht das Enttäuschendste
an der "Reform". Das Traurigste ist, daß diese Herren und Damen
offensichtlich dem deutschsprachigen Kulturraum nicht mehr die
Intellegenz und Fähigkeit zutrauten, die eindeutigen Regeln der
deutschen Sprache zu erlernen.
Man stelle sich einmal vor, die gleichen Wissenschaftler und Politiker,
welche für diese "Rechtschreibereform" verantwortlich sind,
entdecken, daß auch die Mathematik reformiert werden könnte.
Dann wird nicht nur Schiffahrt ("Schifffahrt") mit drei "f" geschrieben
sondern 1+2+3 ist dann nicht mehr 6 sondern "IIIIII"!
Ich persönlich bin von meiner Grundeinstellung bekennend
wertkoservativ. Für mich zählen neben den
christlich-traditionellen, den menschlich-sozialen und den kulturellen
Werten vor allem auch die Werte der deutschen Sprache zu den
erhaltenswerten Dingen in der deutschen Gesellschaft. Gerade deshalb
begrüße ich die jetzt ergriffenen Initiativen und hoffe,
daß diese Erfolg haben werden.
Im Übrigen könnte die Aufhebung der "Rechtschreibreform" auch
Signalwirkung haben für andere, zwar durchaus nicht so unsinnige,
aber dennoch nicht die gewünschten Erfolge erzielende
Änderungen / Reformen / Beschlüsse. Vielleicht werden diese
dann endlich nochmals auf ihre Beibehaltung geprüft. Ich denke
hierbei z.B. an den Wechsel von Sommerzeit und Winterzeit.
Gleichzeitig wünsche ich mir allerdings, daß statt
unsinniger, scheinbarer Vereinfachungen in der Rechtschreibung
wesentlich mehr für die Befähigung und das Lernen unserer
Jugend im Sinne einer permanenten Qualitätssteigerung getan wird!
Wer gut leben möchte, kann sich nicht nach unten
orientieren, sondern nach oben, er darf die Starken durch Niveausenkung
nicht nach unten ziehen, sondern muß den Schwachen durch
Qualitätsverbesserung nach oben helfen!