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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Donnerstag, 30.12.2004

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Stadthaushalt

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 30.12.2004


Konsolidierung zu Lasten der Prestigeobjekte und nicht zu Lasten der Kinder- und Jugendarbeit sowie Kindertagesstätten, Schulen und Bildung
Die Stadträte in Chemnitz stehen, wie auch in vielen anderen Städten diesmal, vor der schwierigen Aufgabe angesichts eines zig-Millionen-Loches einen genehmigungsfähigen Haushalt zusammen zu stellen.
Trotz bereits einschneidender Haushaltkonsolidierungsmaßnahmen (HSK) in den vergangenen Jahren klafft für das nächste Jahr noch immer ein Loch von bis zu 40 Millionen Euro. Also weitersparen!
Bis hierhin ist alles klar.

Sieht man sich das Investitionsgeschehen (Vermögens-/Investitionshaushalt) der Stadt über direkte und indirekte (über Töchtergesellschaften, z.B.: GGG ) Investitionen genauer an, wird man schnell ein Ungleichgewicht zwischen notwendigen und freiwilligen/"ergänzenden" Vorhaben erkennen:
So wird seit Jahren wesentlich zu wenig Geld in die Schulen und Kindertagesstätten gesteckt, statt dessen immer wieder über zusätzliche Schließungspläne sinniert, um den längst überfälligen Sanierungsbedarf auf die "kalte" Art abzuhelfen.
Gleichzeitig werden trotz seit Jahren erkennbarer Sparzwänge ein gigantisches Prestigeobjet nach dem anderen aus dem Boden gestampft unmd großzügig mit Finanzmitteln hinterlegt. Zuschüsse zum Umbau der Innenstadt, Sanierung der Esche-Villa, Errichtung der Chemnitz-Arena, Umbau des Tietz-Kaufhaus, Umbau des Bahnhofvorplatzes, Errichtung des "Gunsenhauser"-Museum ... um nur einige zu nennen. Und die nächsten Objekte dieser Art warten schon.
Wir haben vergoldete Feuerwehrhäuser und großzügig angelegte Rathäuser (z.B.: Technisches Rathaus, Moritzhof - beide mit gravierenden Finanztransfer für "Mieten"), aber wir haben auch für den Schulsport gesperrte Turnhallen, unsanierte Schulen und Kindertagesstätten, dringendst anstehende Brandschutzbaumaßnahmen und mit den neuen Lehrplänen überfälligen Bedarf an Neueinrichtung von Fachkabinetten, Küchen usw.
Allein der Parkplatz des "Gunsenhauser"-Museum verschlingt voraussichtlich ein Finanzvolumen, mit dem sämtliche notwendigen Sanierungsvorhaben an Kindertagesstätten abgedeckt werden könnten oder auch der Eigenanteil für die zur Zeit zur Disposition stehenden Baumaßnahmen an den Gymnasien.

Betrachtet man i.d.F. den Verwaltungshaushalt, so stellt sich hier ein ähnliches Bild dar:
Großzügige Finanzzuweisungen z.B. für die "Hochkultur" und Führungspersonalbesetzung (z.B.: Tietz-Kaufhaus / "Gunsenhauser"-Museum) stehen permanenten Kürzungen im Jugend- und Schulbereich gegenüber.  Allein in den Jahren, welche ich an den Sitzungen des Schulausschusses teilnahm, sanken die schülerbezogenen Zuweisungen auf die Hälfte im Vergleich zu Nachbargemeinden von Chemnitz. Längst werden die Eltern in Chemnitz (trotz gesetzlicher Kostenfreiheit für Lehrmittel in Sachsen!) in gravierendem Maße an den Kosten für den Unterricht beteiligt, um überhaupt vernünftig Schule machen zu können!
Damit niemand diese Ausführungen falsch versteht: Sicher sind die Prestigobjekte zum Teil sinnvoll und zu einem Teil sogar notwendig, allein die Prämissensetzung ist aus meiner Sicht falsch, falsch und nochmals falsch!
Man kann derartige "Ergänzungs"-Objekte nur in dem Maße durchführen und mit Finanzmitteln ausstatten, wie man dies sich leisten kann, wenn man auch die notwendigen Objekte (z.B.: Schulen, Kindertagesstätten) mit den für sie notwendigen Finanzmitteln ausgestattet hat.
Kein Unternehmer käme auf die Idee, notwendigen Investitionen an Produktionsstätten die Errichtung eines luxoriösen Empfangs- und Verwaltungsbereich vorzuziehen, ohne zu wissen, ob er dann noch ausreichend Geld für die Produktionsstätten hätte.
Kein Häus'le-Bauer kauft zuerst Tapeten, Gardinen und Möbel und sieht dann, ob er mit dem Geld für das eigentliche Haus reicht. Alles hat seine Zeit und seine Reihenfolge.

eswegen die dringende Bitte an alle, die Mitentscheiden oder anderweitig Einfluß darauf haben, wie die Gelder in den nächsten Jahren in dieser Stadt verteilt und ausgeben werden:
Setzen Sie sich für eine veränderte Prämissensetzung ein. Kein einseitiges Sparen zu Lasten der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Schulen und Kindertagesstätten sondern Vertagung oder Streichung im "Ergänzungs"- und Prestigebereich !
Abschließend möchte ich, als CDU-Mitglied, insbesondere die Mitglieder der CDU-Ratsfraktion und die beiden CDU-Bürgermeister in die Pflicht nehmen und sie dringendst bitten, gemäßt dem Auftrag unseres Kreisverbandes der CDU Chemnitz, niedergeschrieben im Kommunalwahlprogramm für die Wahl 2004,  sich jeden weiteren Streichungen, Kürzungen oder Vertagungen bei Schulinvestitionen nachhaltig und öffentlichkeitswirksam entgegenzustellen und alles dafür zu tun, diese ohnehin stark unterbemittelten Haushaltstellen entgegen dem Trend möglichst aufzustocken!
Danke an Alle, die dies tun werden !


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