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Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz!
Donnerstag, 21.04.2005

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Müller

Schulweg oder Schulqualität ?

von Andreas Peter Müller | (c) Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 21.04.2005


Was ist entscheidend für die Schulwahl oder ist dies gar die falsche Frage?
Im Zuge von anstehenden Schulschließungen wird immer wieder die Verbesserung der Schulqualität infolge effektiverer Einsetzbarkeit der Finanzmittel nach Schulschließungen in das Gespräch gebracht.

Diese Argumentation ist aus zwei Gründen sehr gefährlich für die Glaubwürdigkeit von Politik:

1. Schulqualität
Diese Aussage sougeriert (unter Nutzung des selbstverständlich bei jedem Elternteil vorhandenen Wunsches nach optimaler Beschulung) den Menschen, es müßten nur ein paar Schulen geschlossen werden und schon ist ausreichend Geld da für eine Verbesserung der Bildungsqualität und die Sanierung der Schulgebäude.

2. Schulweg
Es wird ignoriert, daß der Schulweg für die deutlich überwiegenden Mehrheit der Eltern die bestimmende Rolle bei der Wahl der Schuleinrichtung spielt.


Es gibt demographische und finanztechnische Gründe für die Schließungen von Schulen und den Rückbau von Lehrern - sonst nichts!

Eine Qualitätsdiskussion hier mit in den Raum zu stellen - ohne wirklich zusätzliche Finanzmittel in die Hand nehmen zu wollen oder zu können - weckt nichterfüllbare Erwartungen beim Bürger!  Dies sollte man ehrlich und offen sagen.

Einschnitte in die Schullandschaft sind nowendig, eigentlich sogar zum Teil unumgänglich !

Wie tief diese Einschnitte aber sein werden und ob dieser schmerzhafte Prozess wirklich mit einer Verbesserung des Schulsysthems einhergehen kann, hängt nur allein davon ab, wie es die Menschen in unserem Freistaat begreifen, daß die Bildung unserer Jugend der WICHTIGSTE Standort- und Zukunftssicherungsfaktor unseres Freistaates ist und deshalb eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung zur Neuwichtung der Haushalte von Kommunen und Land zugunsten der Bildung erwirkt werden müssen!

Es gibt auch bei rückläufiger Bevölkerung Dinge, wo gleichviel oder mehr Geld in die Hand genommen werden muß, als bisher, um die Zukunft abzusichern.

Beim Straßenbau haben wir dies erkannt und setzen es um !  Hoffentlich auch bald bei der Bildung!





Ergänzende Erläuterungen:


zu 1)  SCHULQUALITÄT UND DER ZUSAMMENHANG MIT DEN FINANZEN

Der Grund für die Schulschließungen ist nicht in erster Linie in einem Willen zur Verbesserung der Schulqualität begründet, sondern im beinah unausweichlichem Zwang auf rückläufige Geldmittel infolge rückläufiger Bevölkerungszahlen zu reagieren!


Freistaat Sachsen:

-> Das Land Sachsen erhält infolge rückläufiger Bevölkerungszahlen weniger finanzielle Zuweisungen vom Bund!
-> Hinzu kommt der rückläufige Finanzmittelfluß aus dem schrittweisen Auslaufen des Solidarpaktes.

Bei gleichmäßiger Umlage der weniger zur Verfügung stehenden Finanzmittel auf alle Bereiche des Landeshaushaltes bedeutet dies  Kürzungen auch bei der Lehrer- und Schulfinanzierung.


Die Kommune (am Beispiel der Stadt Chemnitz):

-> Die Stadt Chemnitz erhält weniger finanzielle Zuweisungen vom Freistaat.
-> Hinzu kommt, daß die Gewerbeeinnahmen aufgrund der wirtschaftlichen Talfahrt Deutschlands ebenfalls rückläufig sind.
-> Die Problematik der Haushaltkonolidierung ist dieses Jahr dramatischer denn je.

Bei gleichmäßiger Kürzung in allen Bereichen stehen also deutlich weniger Finanzmittel für Sanierung und Ausstattung der Schulen zur Verfügung als bisher.

Darüber hinaus ist die schülerbezogene  Finanzmittelhöhe in den letzten Jahren sowohl  in absoluter Höhe (Gesamtbetrag) als auch in relativer Höhe (proSchüler) zurückgefahren worden.


Zusammenfassung:

Faßt man beide Entwicklungen zusammen,  muß festgestellt werden, daß ohne Änderung in der Prämissensetzung der Haushalte die Einspareffekte aus Schulschließungen und Lehrerrückbau
1.) durch die niedrigere Geldmittelzuweisung im Zuge der Stopfung der Finanzlöcher weitgehend aufgefressen werden.
2.) folglich, wenn überhaupt, nur noch in einer unbedeutenden Form für eine Verbesserung der Bildungsqualität eingesetzt
     werden können.

Eine Freisetzung von Mitteln in nenneswerten Größenordnungen zur Verwendung von Niveausteigerung sind angesichts der Gründe/Zwänge für Schulschlließung/Lehrerrückbau ist in der Realität nicht gegeben! Dies kann nur durch eine veränderte Pämissensetzung im Haushalt realisiert werden!

Ein erster positiver Teilschritt, wenn auch nur ein ganz kleiner und schwer genug erreichbarer, ist mit dem Schulkompromiß zu den Lehrern gegangen worden. Angesichts der anstehenden Probleme und Ziele müssen aber in Zukunft wesentlich beherzterere Schritte folgen.





zu 2) SCHULWEG UND DIE BEDEUTUNG FÜR DIE SCHULWAHL DURCH DIE ELTERN


Der Schulweg ist ein bestimmender Faktor für die Eltern. 3 Beispiele beweisen dies nachhaltig:


a) Kompromißvorschlag zum Vpolksbegehren

Bei dem Kompromiß-Vorschlägen Elternratsseitig zum Volksbegehren war eine Kernaussage, die dies nachhaltig belegt:

"Es geht nicht um kleine Schulen, sondern um akzeptable Schulwege"

Dieser Kompromißvorschlag fand letztlich im Punkt 6 der Ausnahmetatbestände für die Beibehaltung einer Schule (Hinterlegung Öffentliches Bedürfnis) im Schulgesetz seinen Niederschlag.


b) Schulwahl außerhalb Chemnitz

Chemnitz verzeichnet in den Randbereichen eine gravierende Weg-Bewerbung von Schülern ins Umland, da für die Randbereiche der Stadt die Schulen entfernungs- und wegemäßig zu ungüstig liegen im Vergleich zu den Schulen im Umland.

So zieht:
- die Mittelschule in Niederwiesa Schüler aus dem gesamten Nordosten,
- die Mittelschulen in Limbach und Burgstädt aus dem Nordwesten,
- die Mittelschulen aus Oberlungwitz und Hohenstein aus dem Westen,
- die Mittelschulen in Stollberg und Neukirchen aus dem Süden,


c) Schulwahl trotz Bildungsempfehlung

Die neuesten Übergangszahlen von der Mittelschule zum Gymnasium zeigen mit besonderer Dramatik, wie wenig Rücksicht Eltern auf die optimalste Bildung nehmen können:

In den Stätdten, wo Gymnasien relativ gut erreichbar sind, verzeichnet man Übergangszahlen zum höheren Bildungsweg von bis zu 50%!
- Hoyerswerda:   50%
- Dresden:          47 %
- Leipzig :           46 %

Dagegen sind in Landkreisen, wo die Wege zu den Gymnasien immer weiter und komplizierter wurden, z.T. deutlich unter 30%  Übergänger zum höheren Bildungsweg zu verzeichnen.
- Stollberg : 21%
- Aue-Schwarzenberg 24%

Obwohl der höhere - der bessere - Bildungsweg möglich war - entschieden sich aber viele folglich für die Konsequenz aus der Erreichbarkeit!

Dies kann nicht das Ziel sein!


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