
Wo wollen die Sachsen angesichts
deutlich
rückläufiger Finanzmittel für den Staatshaushalt und
gravierender demographischer Veränderungen in der Bildung hin?
von Andreas Peter Müller | (c)
Chemnitz-Report! Unabhängiges Journal aus Chemnitz! | 18.05.2005
Ist der eingeschlagene Weg der
Straffung des Schulnetzes die einzige Lösungsmöglichkeit?
Die
Straffung des Schulnetzes infolge rückläufiger
Schülerzahlen sei unvermeidbar um die Bildungsqualität auch
zukünftig zu sichern, ja um selbige in Zukunft sogar zu
verbessern. Mit dieser Argumentation erfolgte im März/April 2005
der Einstieg in eine "Effektivierung" des Schulnetzes und die
Ankündigung flächendeckender massiver Schulschließungen.
Betrachtet man diese Aussagen genauer, muß festgestellt werden,
daß dies zwar eine einfache und - oberflächlich betrachtet-
auch scheinbar plausible, in der Realität der Fakten aber eher
eine denkbar ungünstige, wenn nicht sogar teilweise unzutreffende
Wiedergabe der tatsächlichen Handlungsbedingungen darstellt.
Sie läßt zum Einen die tatsächlichen
Handlungszwänge und Folgeerscheinungen im Dunklen und beruft sich
zum Anderen auf eine deutlich einseitige Auswertung der
Schülerentwicklung unter Vermittlung des Eindrucks, daß
bisher hierauf kaum oder deutlich zu ungenügend reagiert wurde.
Mittlerweile wird die Diskussion, warum dieser Weg begangen werden soll
und vielleicht auch muß, endlich mehr an den tatsächlichen
Zwängen orientiert geführt. Hierauf soll im Folgenden
vertieft eingegangen werden.
Es gibt vier grundsätzliche Aspekte, welche die Diskussion um
Lehrerstellenabbau und Schulschließungen so akut und brisant
werden liesen:
1. der Rückgang zur Verfügung stehender Finanzmittel und der
strikte Sparkurs der CDU Sachsen
2. das Geburtenloch und die i.d.F. nicht mehr so hohen
Schülerzahlen wie zu "Vorwendezeiten" in Sachsen
3. die mit dem Kompromiß zum Volksbgehren "Schule braucht
Zukunft" abgesenkte durchschnittliche
Schülerzahl/Klasse.
4. der geplante Lehrerstellenabbau, welcher eher greift, als der
Minderbedarf aus der Straffung des Schulnetzes
vorliegt.
Verschärft wurde diese Situation durch die von der SPD in der
Koalitionsvereinbarung eingeforderte Änderung der
Bildungsempfehlung und dem damit zunächst verbundenen dramatischen
Änderungen im Einschulungsverhalten für Mittelschulen und
Gymnasien.
Betrachtet man alle vorgenannten Punkte in ihrer Gesamtheit, kommt man
zu der Erkenntnis,
|
daß
Einsparungen
im Haushalt sowohl des
Landes als auch der Kommunen
unumgänglich sind |
 |
daß
das Geburtenloch und das zukünftige Schülerzahlenniveau Maßnahmen
und
Anpassungen des
Schulnetzes erfordert |
 |
daß
aber gleichzeitig in den
letzten Jahren gemeinsam durch die Bevölkerung und die
CDU-Landesregierung Weichen gestellt worden, die beidem vorgenannten
Aspekten entgegen stehen bzw. vernünftige Grenzen bei einer
Anpassung
setzen. |
 |
daß
die zeitliche Differenz zwischen der
geplanten Umsetzung des Lehrerstellenabbau und dem Entstehen des
tatsächlichen Lehrerminderbedarf aus der Wirkung der
Schulnetzeffektivierung (Schulschließungen) für die
Bildungsqualität
gefährlich groß ist. |
Wenn
heute darüber gesprochen wird, daß eine Reduzierung
der Schulen auf 70% einer Halbierung der Schülerzahlen
gegenüber
stünde, beziehen
sich
beide Werte auf unterschiedliche Zeitpunkte der Bezugsbasisbestimmung
-
bei den Schulen !auf einem Stand von 2000 oder 2002 und bei den
Schülern auf Vorwendezahlen! Dies paßt angesichts der
Schließungen
jedoch nicht zusammen und erzeugt einen verfälschten Eindruck.
Völlig
unbeachtet bleiben darüber hinaus die längst wieder
steigenden Kinder-
und Schülerzahlen .
In
den letzten Jahren, insbesondere seit 1997 - und verstärkt
zwischen
2000 und 2003 - wurden zahlreiche Schulen geschlossen. So wurden z.B.
In Chemnitz allein im Zeitraum von 1997 bis Mai 2005 ca. 15
Grundschulen, 18
(+1) Mittelschulen
und 5
Gymnasien geschlossen bzw. zur
Schließung ausgewiesen. Hinzu kommen die Schließungen in
den
Eingemeindungen.
Dies bedeutet, daß
in
Chemnitz gegenüber dem Stand von 1997 (incl.
später eingemeindete Ortschaften) die
Grundschulen
(noch
41+2 von
ehemals 56+2) bereits bis heute auf
ca. 74%, die
Mittelschulen (noch
17+2 von
ehemals
36+2) auf
ca. 50% und die
Gymnasien (noch 6+1 von
ehemals 11+1) auf 54 % reduziert wurden!
Die Grundschulen sind nur deshalb bezüglich der Schulanzahl nicht
so
weit zurückgefahren, weil eine Vielzahl der geschlossenen
Einrichtungen
sich in Neubaugebieten befanden und der dort herrschenden Spezifika
einer Gleichzeitigkeitsbesiedlung entsprechend
ursprünglich
zwei und dreizügig betrieben wurden, die übrigen Grundschulen
aber
meist ein- und zweizügig betrieben werden.. Somit liegen die
tatsächlich noch betrieben Züge (Klassen/pro Jahrgang) auch
hier
deutlich unter 70%, wahrscheinlich ebenfalls bei ca. 55%!
Die
derart rigide und einseitige Festlegung auf eine,
weit über die bisherigen
Anpassungen hinaus gehende Änderung
der
Schulstrukur und Lehrerkapazitäten durch deutliche
Zusammenschrumpfung
und Stellenabbau, wie sie derzeit von der Schulaufsicht forciert wird,
kann
und sollte nicht der einzige gangbare Weg sein.
Sparen
bzw. Einsparen ist richtig und wichtig! Dies wird nachhaltig
durch die exponierte Stellung Sachsens im Rahmen der ostdeutschen
Länder bei der Inanspruchnahme von Fördermitteln bewiesen.
Die
Prämissensetzung beim Sparen bzw. Einsparen, d. h. in
welchen
Bereichen mehr oder weniger bzw. gar nicht eingespart wird, ist
aber ebenso entscheidend, wie das Sparen bzw. Einsparen selbst!
Vielleicht sind die nachfolgend aufgeführten Vorschläge ein
Anstoß, um
über andere, geeignete
Möglichkeiten zur Lösung o.g. Zwänge neu nachzudenken.
Sicher gibt es
darüber hinaus noch weitere oder auch bessere Wege. Erst wenn alle
erkennbaren
Alternativen gesucht und geprüft wurden und diese alle nicht
funktionieren, erst dann sollte auf dem
derzeitigen Weg beharrt werden.:
| 1.
|
Drastische Reduzierung der
Schließungen und Rückgängigmachung der
Bildungsempfehlungsänderung
Durch die Schulnetzplangenehmigungen wurde der
Schließungsumfang klar umrissen. Sofern nicht deutlich andere
Schülerzahlenentwicklungen als prognostiziert eingetreten sind,
sollte
sich die Schließung auf diesen Umfang reduzieren. Bei deutlichen
Abweichungen sollte ggfs. eine Einzelfallprüfung erfolgen.
Durch Rückgängigmachung der Änderung der
Bildungsempfehlung würde sich
i.d.F. das Einschulungsverhalten wieder dem der Schulnetzplanung
zugrunde liegenden Prognosen anpassen, so daß darüber
hinausgehende
Schließungen nicht notwendig wären.
|
| 2. |
Suchen
nach anderen
Einsparmöglichkeiten im
Bildungshaushalt bzw. tangierenden Haushalten (bei Land und Kommune!)
<- Abspeckung der Aufgaben
und des
Personalbestandes
der Schulaufsicht und deren Neustrukturierung
<- Überdenkung derzeitige Fördermittelprogramme auf deren
Nachhaltigkeit (z.B. Medios)
<- Rückführung aller Lehrer aus lehrerfremden Arbeiten in
den
Schuldienst
<- Schulbezirke für Mittelschulen und damit Planungssicherheit
und
Einsparung der Lenkung (Personaleinsparung!)
<- Überprüfung der Lehrerausbildung
(Fächerzusammenstellung) auf
Auslastbarkeit auch bei kleineren Schulen
<- Optimierung der Schulbezirke unter Berücksichtigung der
örtlichen
Gegebenheiten mit dem Ziel effektiver Klassenbildungen
<- Neuregelung des Schülerverkehrs
<- Vereinheitlichung (statt "Wahlfreiheit"!) der Lehrmittel und
damit verbunden, Aushandlung günstigerer Bezugspreise
<- Schulhausreinigung teilweise durch Schüler (nur
ergänzende
Reinigungsdienste)
<- usw.
(Auszug möglicher Einsparungsmöglichkeiten)
|
3.
|
Ein
Urnengang (Volksbefragung) oder Prämissenverschiebung
ohne Volksbefragung
Für
nicht vermeidbare Mehrkosten infolge
Nichterreichung
der bundesweit üblichen durchschnittlichen Klassenstärke wird
mit der Vorgabe
von
Einsparungsmöglichkeiten in anderen, für die Entwicklung des
Freistaates weniger relevanten Haushaltbereichen (z.B.: Kultur) eine
Gegenfinanzierung zur Abstimmung gestellt und damit der
Bevölkerung die
Zwänge des Handelns näher gebracht.
Gleiches könnte
auch eigenverantwortlich in Angriff genommen werden.
|
Das momentan in Überlegung
befindliche
neuerliche Volksbegehren,
sollte
es mit den ursprünglichem Wortlaut neu aufgelegt und ggf.
erfolgreich
durchgeführt werden, wovon wohl ausgegangen werden dürfte,
löst
lediglich die Probleme für Eltern und Schüler, vielleicht
auch für die
Lehrer. Die für die Entwicklung Sachsens gleichbedeutend
wichtigen haushalttechnischen Aspekte verschärft es aber
eher.
Gleichzeitig wäre ein solches Volksbegehren, bei Beibehaltung des
bisherigen Wortlautes, eine fragliche Mischung von berechtigten
Wünschen der Schüler und Eltern nach akzeptablen Schulwegen
mit nicht
wirklich von der Masse der Eltern und Schülern gewollten
parteipolitischen Bildungsinhalten bestimmter Parteien.
Das schnellstmögliche Ausloten anderer Alternativen sollte deshalb
in
unser aller Interesse sein und oberste Priorität besitzen.
Versuchen
wir gemeinsam diesen zugespitzten Konflikt als Chance aufzufassen, um
einen, unseren derzeitigen Bildungszielen entsprechenden neuen Weg
einzuschlagen.
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Aspekt 1:
Die finanziellen Rahmenbedingungen insgesamt und auch für die
Gestaltung von Bildung verändern sich laut Aussage der
Landesregierung
Sachsens dramatisch.
Landeshaushalt:
|
Mindermittel
aus dem
Länderfinanzausgleich
Im
Rahmen des Länderfinanzausgleich erhält
der Freistaat Sachsen als sogenanntes
"Nehmerland" in größerem Umfange Finanzmittel zugewiesen.
Diese werden
entsprechend der Einwohnerzahl Sachsens festgelegt. Da diese noch immer
rückläufig ist (und wohl auch in Zukunft noch so bleiben
wird)
entwickeln sich auch diese Mittelzuweisungen rückläufig.
|
 |
Mindermittel
aus dem
Solidarpakt West-Ost
Im
Rahmen des Solidarpaktes
wurde der Solidaritätsbeitrag (Steuern) eingeführt. Dieser
wird in den
nächsten Jahren drastisch zurückgeführt, d.h. diese
Mittelzuweisungen an den Freistaat Sachsen entwickeln sich i.d.F. stark
rückläufig.
|
 |
Mindermittel
aus der
EU-Förderung
Seitens
der Europäischen Union wurden zur
Angleichung der
Verhältnisse in großem Umfang Fördermittel für die
"ehemals" struktur-
und wirtschaftsschwachen "Ostländer" (ehemalige DDR)
bereitgestellt.
Mit der Aufnahme der neuen Beitrittsländer im Osten erfolgt nun
auch
eine Neueinstufung der Bedürftigkeit. Hierdurch kommt es zu einer
deutlichen Absenkung der Bedürftigkeitseinstufung um bis zu zwei
Kategorien und damit zu gravierenden Minderzuweisungen an
Fördermitteln
für den Freistaat Sachsen.
|
 |
Mindermittel aus dem
Bundeshaushalt
Infolge
der schlechten Wirtschaftslage in der
Bundesrepublik Deutschland, insbesondere durch die derzeitige Absenkung
der Steuereinnahmenprognose für den Bund, erhält der
Freistaat Sachsen
voraussichtlich deutlich weniger Finanzmittel vom Bund, als im Haushalt
veranschlagt.
|
Kommunalhaushalte:
|
Mindermittel
vom Land bzw.
Bund
Alle
unter Landeshaushalt aufgeführten
Mindermittel
schlagen direkt oder indirekt auch auf die Kommunen und Landkreise
durch.
|
 |
Mindermittel
aus der
Gewerbesteuer
Infolge
der schwachen Konjunktur in der Bundesrepublik Deutschland ist die
Einnahmesituation aus der Gewerbesteuer i.d.R. rückläufig
oder
stagnierend.
|
 |
Mehraufwendungen
aus Hartz-IV
Die
veränderte Arbeitsteilung im Zuge von
Hartz-IV führte
auch zu veränderten zusätzlichen finanziellen Lasten für
die Kommunen,
welche nicht vollständig vom Bund aufgefangen wurden.
|
 |
Mehraufwendungen
aus
Aufgabenverschiebungen
Freistaat - Kommunen
Der
Freistaat zog und zieht sich
infolge Einsparungen
teilweise von eigenen Aufgaben zurück. Dies führt in manchen
Bereichen
zu zusätzlichen Aufwendungen für die Kommunen und Landkreise.
Bsp.:
Ausdünnung Schulnetz (Einsparung Freistaat) ->
Erhöhung Bedarf
Schülerbeförderung (Kosten für Kommunen)
|
Zusammengefasst
bedeutet
dies, daß sowohl für die Kommunen und Landkreise als auch
den Freistaat
deutlich weniger Finanzmittel zur Verfügung stehen, als dies in
den
letzten Jahren der Fall war. Einsparungen
in den Haushalten sind also unvermeidbar!
Ob diese Einsparungen angesichts
|
der
aus der dramatischen
Destrukturierung unserer Gesellschaft (z.B.: Zerfall der
Familien,
erhöhte Mobilität, Wegfall der Verwurzlung mit Heimat und
Familie) |
 |
dem
Einfluß des Werteverfalls
(z.B.: "Geiz is geil", Gewaltbereitschaft, politischer und sonstiger
Radikalismus) |
 |
der
Überreizung mit (z.T. auch
problematischen) Informationen (z.B.: Medien, Internet, Werbung,
usw.) |
 |
der
veränderten Schulwegsituation
(z.B.: Verkehrszunahme, Kriminialität, Drogen) |
tatsächlich
auch auf
das Bildungswesen Auswirkungen haben darf, ist eine Frage, die - frei
von politischer oder ideologischer Polemik - gesamtgesellschaftlich
beantwortet werden muß.
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Aspekt 2:
Die
Schülerzahlen halbieren sich in der Zukunft.
Quellen:
BKS e.V. /"Demographische Gesichtspunkte gegenwärtiger Entwicklung
in
Hinblick auf die Schulnetzplanung"
RSA Chemnitz / "Schulreporte"
Stadtverwaltung Chemnitz "Schülerzahlenprognosen")
In den unmittelbaren Nachwendejahren gab es einen dramatischen Einbruch
bei der Anzahl der Geburten, welcher 1994 seinen Höhepunkt
erreichte.
Die Größenordnung ist mit 50% hier sicher
optimistisch beurteilt. Gründe hierfür lagen u.a. darin:
| 1. |
Unsicherheit
über die persönliche und familiäre
Situation nach der Wende
Die
Menschen mußten sich in der neuen Gesellschaftsform erst
einmal
zurecht finden und neu einrichten. Im Prozeß der
wirtschaftlichen
Angleichung wird dieser Fakt an Bedeutung verlieren, hängt jedoch
regional in monostrukturierten Gebieten (z.B.: Ostsachsen) vom
Abschluß
dieses Wandels ab.
|
| 2. |
Altersstruktureffekt
- Angleich des Zeitpunktes für
Erstgeburten an das "Westniveau" (statt
mit 18 bis 22 auf 28 bis 32!)
Das
Verhalten der Frauen im gebährfähigen Alter in
Ostdeutschland hat
sich im wesentlichen an das Verhaltensmuster in Westdeutschland
angepaßt. Während in den alten Bundesländern das
durchschnittliche
Gebäralter bei 28 Jahren liegt, war in Ostdeutschland die
Gebärphase
vor der Wende in dem Alter meistens schon abgeschlossen, da es unter 25
lag.
Die Altersstruktur der
gebährfähigen Frauen ist eine weitere
nicht zu
unterschätzende Größe. Der Aufbau der Bevölkerung
im Freistaat Sachsen
vom 31.12.2004 weißt nach, daß die Anpassung des
Gebäralters einen
"Einbruch" der Entwicklung der Anteile der Frauen einzelner
Altersstufen von 18 bis 24 Jahren erkennen läßt. Dieses
Defizit führte
in den kommenden Jahren nur zu einem geringen Geburtenanstieg. Die
"Talsohle" des Geburtenrückganges wurde 1994 durchschritten.
Prognose Geburtenentwicklung (Stand 1995):
Jahr
|
1989 |
1994 |
2005
|
2010 |
Geburtenzahlen
absolut
|
200.000 |
78.000 |
120.000 |
130.000 |
Geburtenzahlen
in %
|
100%
|
39% |
60% |
65% |
|
| 3. |
Wanderungen
Es
wird prognostiziert, daß die anfangs extrem hohen
Abwanderungen bis
zum Jahre 2010 drastisch abnehmen und zukünftig kaum Einfluß
auf die
Geburten- und Schülerzahlen haben werden.
|
Ab 1994 stiegen die
Geburtenzahlen jedes
Jahr deutlich an,
um sich dann ab ca. 2000 auf einem relativ hohen Niveau zu
stabilisieren.
Am
Beispiel von Chemnitz stellte sich dies wie folgt dar:
Geburtsjahr
|
1989
|
1990
|
1991
|
1992
|
1993
|
1994
|
1995
|
1996
|
1997
|
1998
|
1999
|
2000
|
2001
|
2002
|
2003 |
2004 |
Einschulung
|
1995/6
|
1996/7
|
1997/8 |
1998/9 |
1999/00 |
2000/1 |
2001/2 |
2002/3 |
2003/4 |
2004/5 |
2005/6 |
2006/7 |
2007/8 |
2008/9 |
2009/10 |
2010/11 |
Prognosen
Einschulungen
|
|
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|
|
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|
-
Stand 1997
|
|
|
1943 |
1407 |
1299 |
1199 |
1217 |
1346 |
1488 |
|
|
|
|
|
|
|
-
Stand 2000
|
|
|
|
|
1299 |
1199 |
1213 |
1326 |
1479 |
1533 |
1641 |
1761 |
1784 |
|
|
|
| -
Stand 2004 |
|
|
|
|
|
|
|
1326
|
1435
|
1494
|
1587
|
1689
|
1748
|
1730
|
1750 |
1706 |
|
|
|
65,5%
|
47,5%
|
43,9%
|
40,4%
|
40,9%
|
44,7%
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Feststellungen
Einschulungen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
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|
| -
Stand 1997 |
2964 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
-
Stand 2000-2
(Grundschulen) |
|
2743 |
2206 |
1506 |
1400 |
1300
(1132) |
1297 |
1370 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
100%
|
92,5%
|
74,4%
|
50,8%
|
47,2%
|
43,9%
|
43,8%
|
46,2%
|
48,4%
|
50,4%
|
53,5%
|
57,0%
|
59,0%
|
58,4%
|
59,0%
|
57,6 %
|
Es ist anzumerken, daß
mindestens bis 2002 die Prognosen immer deutlich
unter den tatsächlichen Einschulungen angeordnet waren!
Zusammengefasst bedeutet dies, daß zwar zwischenzeitlich durchaus
über einen Zeitraum von vier bis sechs
Jahren von einer halbierten Schülerzahl gesprochen
werden kann, generell wird aber die nächsten zehn
bis
zwanzig
Jahre von einer deutlich höheren Schülerzahl (ca. 70
bis 75%)
auszugehen sein.
Ob in fünf bis zehn Jahren tatsächlich das nächste
prognostizierte
Geburtenloch und damit in fünfzehn
oder zwanzig Jahren das nächste
Schülerloch ansteht,
wird sehr davon abhängen, wie sich das veränderte Alter
für
Erstgeburten auswirkt und welche Maßnahmen und Einstellungen die
deutsche Gesellschaft dazu gefunden hat, um die Fehlentwicklung in der
Demographie und in der Verletzung des Gesellschaftsvertrages (Kinder -
Eltern - Rentner) positiv zu lösen. Angesichts der
unbedingten
Notwendigkeit zur Lösung dieser Problematik sollte hier durchaus
eine
eher positivere und optimistischere Herangehensweise gewählt
werden.
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Aspekt 3:
Der
Kompromiß zum Volksbegehren hat in Sachsen ein Status Quo
bezüglich der
Schulstruktur geschaffen, welches für Schüler und Eltern
deutlich
günstiger aber für den Landes- und Kommunalhaushalt teurer
ist, als das
in anderen Bundesländern.
Mit der
Fixierung der
Klassenmindeststärken und -obergrenzen im
Zuge
des Kompromisses zum Volksbegehren "Schule braucht Zukunft" wurde
indirekt zwangsläufig - insbesondere bei Grundschulen - auch eine
Neueinnivellierung der durchschnittlichen
Schülerzahl pro Klasse bewirkt.
Das Schulgesetz schreibt vor, daß bei einer Grundschule 15
Schüler/Klasse ein Öffentliches Bedürfnis und damit
deren Betreibung
bzw. die Eröffnung einer Klasse rechtfertigen. Insbesondere in den
strukturschwachen Bereichen wird es folglich kaum zu nennenswert
größeren Klassenbildungen kommen als 15 bis 20
Schüler/Klasse.
Bei Mittelschulen schreibt
das Schulgesetz vor,
daß 2x 20 Schüler/Jahrgang ein Öffentliches
Bedürfnis
und damit deren Betreibung bzw. die Eröffnung von zwei Klassen
rechtfertigen. Insbesondere in den strukturschwachen Bereichen wird es
folglich kaum zu nennenswert größeren Klassenbildungen
kommen als 20
bis 25 Schüler/Klasse.
Aus den vorgenannten Gründen liegt damit in
Sachsen die
durchschnittliche Schülerzahl jetzt neu bei ca 20 bis
21 Schüler pro Klasse. Bundesweit üblich ist,
wie bis zum Kompromiß in
Sachsen auch, 25 Schüler/Klasse - eine Tatsache,
die
insbesondere bei den "Geberländern" im
Länderfinanzausgleich auf Unmut stößt.
Ob der
Unmut der "Geberländer" und die Zielstellung niedriger Kosten eine
Rückkehr zu einer durchschnittlichen Klassenstärke von 25
Schülern/Klasse rechtfertigen, hängt sehr von der Beurteilung
des mit
dem Kompromiß gegebenen Wortes/Versprechen (Vertrauen in die
Aussage
von Politik!) sowie der Auslegung des nach wie vor unbestimmten
Rechtsbegriffes des "Öffentlichen Bedürfnisses" während
des Rest des
Schülerloches ab.
Bei Grundschulen ist bereits derzeit infolge der Erreichung des
Geburtenloch-Endes und der Kompetenzverteilung bei der
Schulbezirksbildung eine Rückkehr zu dem anvisierten
Schülerzahlendurchschnitt ohne Gesetzesänderung gegen
den Willen
der Kommunen und deren Einwohner de facto nahezu unmöglich.
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Aspekt 4:
Die
geplanten Einsparungen im Landeshaushalt/Bereich Bildung begründen
sich
im Wesentlichen auf dem Lehrerstellenabbau. Die für den
Lehrerminderbedarf notwendigen Schulschließungen greifen aber nur
etappenweise und erst in den nächsten zwei bis vier Jahren in
vollem
Umfange.
Eine Schulschließung geht stets
über mehrere Jahre,
während dessen an
diesem Objekt trotzdem ein weitgehend kompletter Lehrkörper
vorgehalten
werden muß. Bei Grundschulen ist hierbei von ein bis drei
Jahren
auszugehen, bei Mittelschulen von zwei bis vier Jahren.
Ein wirklich nennenswerter Minderbedarf bei Lehrern aus
Schulschließungen tritt folglich erst bei der tatsächlichen
Schließung der Schulen in zwei bis vier Jahren ein.
Zwischenzeitlich treten im wesentlichen Minderauslastungen der Lehrer
an den Schulen auf, welche seperate Regelungen erfordern.
Sollte folglich bereits mit dem nächsten S chuljahr
die Umsetzung des Abbaus der
Lehrerstellen im vollen Umfang erfolgen, würde ein drastisches
Defizit aus Lehrerbereitstellung und Lehrerbedarf für
die
nächsten zwei bis drei Jahre entstehen. Dies würde
sämtliche von
Eltern und Landesregierung erzielten Erfolge bezüglich der
Bildungsqualität in Frage stellen. Ergänzungsbereich,
spezielle
Förderung und Arbeitsgemeinschaften - all dies stünde zur
Disposition.
Im Übrigen würde ein reiner Stellenabbau noch immer nicht den
längst
überfälligen Einstellungskorridor für Junglehrer
schaffen. Gelingt es
aber nicht, spätestens ab nächstes Jahr einen Solchen in der
Größenordnung von 3% bis 5 % zu schaffen, gerät Sachsen
- unabhängig,
ob es jetzt Kündigungen gibt oder nicht - in spätestens 10
Jahren
infolge altersbedingter Kündigungen in einen absoluten
Lehrernotstand.
Hier sind auch die Gewerkschaften in der Pflicht bezüglich des
Anbieten
flexibler Lösungen für diesen Einstellungskorridor statt dem
Beharren
auf dem tariflichen Alterskündigungsschutz und der Aufforderung
zur
Schaffung zusätzlicher Lehrerstellen für Junglehrer.
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Geschlossene
oder per gefaßtem Beschluß zur
Schließung ausgewiesene Grundschulen
in Chemnitz und Eingemeindungen
seit 1997:
| 01 |
Grundschule
Rabenstein
|
| 02 |
Grundschule
Stelzendorf
|
| 03 |
Grundschule
Furth
|
| 04 |
Theodor-Körner-Grundschule
|
| 05 |
Alexander-v.Humboldt-Grundschule |
| 06 |
F.-A.-W.-Diesterweg-Grundschule |
| 07 |
Johann-Gottfried-Herder-Grundschule
|
| 08 |
Grundschule
Erfenschlag
|
| 09 |
Grundschule
Altchemnitz
|
| 10 |
Max-Planck-Grundschule
|
| 11 |
Linden-Grundschule
|
| 12 |
Albert-Einstein-Grundschule |
| 13 |
Grundschule
An der Dittersdorfer Straße
|
| 14 |
Grundschule
Kappel
|
| 15 |
Maxim-Gorki-Grundschule
|
Geschlossene oder per
gefaßtem Beschluß
zur
Schließung ausgewiesene Mittelschulen
in
Chemnitz und Eingemeindungen seit 1997:
| 01 |
Mittelschule
Rabenstein
|
| 02 |
Mittelschule
Siegmar
|
| 03 |
Pablo-Neruda-Mittelschule
|
| 04 |
Mittelschule
Röhrsdorf
|
| 05 |
Käthe-Kollwitz-Mittelschule
|
| 06 |
Mittelschule
Borna
|
| 07 |
Karl-Liebknecht-Mittelschule
|
| 08 |
Theodor-Körner-Mittelschule
(Weerth) |
| 09 |
Alexander-v.Humboldt-Mittelschule |
| 10 |
Yorkschule
-Mittelschule
|
| 11 |
Johann-Gottfried-Herder-Mittelschule
|
| 12 |
Theodor-Neubauer-Mittelschule
|
| 13 |
Mittelschule
Harthau
|
| 14 |
Blaise-Pascal-Mittelschule |
| 15 |
Gottfried-Keller-Mittelschule |
| 16 |
Max-Planck-Mittelschule |
| 17 |
Mittelschule
Markersdorf |
| 18 |
Otto-Lilienthal-Mittelschule |
| 19 |
Robert-Koch-Mittelschule |
Geschlossene
oder per gefaßtem Beschluß zur Schließung
ausgewiesene Gymnasien in Chemnitz und
Eingemeindungen seit
1997:
| 01 |
Alexander-v.-Humboldt-Gymnasium
|
| 02 |
Gottfried-Leibnitz-Gymnasium
|
| 03 |
Gymnasium
"Am Schloßteich"
|
| 04 |
Immanuel-Kant-Gymnasium
|
| 05 |
Werner-Heisemberg-Gymnasium
|
Zurück zum
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|
|